Anthroposophische Heilkunst – eine spirituelle Medizin

Krankheiten sind gewiß ein höchst wichtiger Gegenstand der Menschheit, da ihrer so unzählige sind und jeder Mensch so viel mit ihnen zu kämpfen hat. Noch kennen wir nur sehr unvollkommen die Kunst, sie zu benutzen.Wahrscheinlich sind sie der interessanteste Reiz und Stoff unseres Nachdenkens und unserer Tätigkeit.-
Wie, wenn ich ein Prophet dieser Kunst werden sollte?

Novalis (Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg , 1772-1801)

 

Geschichte

Die Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, wie sie Dr. Steiner begründete, wurde von ihm gemeinsam mit seiner Wegbegleiterin, der Ärztin Dr. Ita Wegmann, für den medizinischen Gebrauch adaptiert. Dabei ging es von Anfang an um keine Konfrontation, sondern um ein Miteinander mit der Hochschulmedizin.

Anthroposophische Heilkunst ist eine spirituelle Medizin. Eine vergleichsweise junge Kunst, welche auf tradierten Heilprinzipien der Antike, des Mittelalters und der Moderne aufbaut. Vor 90 Jahren begründete die niederländische Ärztin Dr. med. Ita Wegmann mit ihrer Klinik in Arlesheim (Schweiz) die klinische anthroposophische Medizin. Seitdem wurde und wird diese „grundlegende Erweiterung der Heilkunst“ (gemeinsames Buch von Rudolf Steiner und Ita Wegmann) von Ärzten und Heilpraktikern weiterentwickelt und praktiziert. 

Sichtweise

Man betrachtet den Menschen mit seiner individuellen Konstitution, biografischen Geschichte, Schwächen und Stärken, Ressourcen und Zukunftsimpulsen, und dazu bedarf es vor allem der Geduld des Patienten und: Zeit. Im vertrauensvollen Gespräch kann ein Ansatzpunkt für eine Therapie der Selbstheilungskräfte auf emotionaler, seelischer und körperlichen Ebene gesucht werden. Anthroposophisch-pharmazeutisch hergestellte Arzneimittel helfen dem Menschen, seine Mitte zu finden und wieder in Balance zu kommen. Aber auch andere spezifisch anthroposophische Therapien, wie z.B. Kunsttherapie, Heileurythmie, Biografiearbeit, Sprachgestaltung, Heilpädagogik, Massagen, Meditation usw. helfen dem „inneren Arzt“, also dem menschlichen ICH, bei der Wiederherstellung einer heilsamen Harmonie. Krankheiten sind unsere Lebens- und Schicksalsbegleiter, immer sinnvoll, meistens unbequem, oft schmerzhaft und erscheinen natürlich nie zur rechten Zeit. Rudolf Steiner wird gerne zitiert, daß es „so viele Gesundheiten gibt, wie es Menschen gibt“.
Die Herstellungsmethoden der zwei bekanntesten anthroposophischen Heilmittelbetriebe (WALA und WELEDA) sind auf die natürlichen und kosmischen Rhythmen von Tag und Nacht, Wärme und Kälte, und auf die Jahreszeiten ausgerichtet. Die Heilpflanzen werden in eigenen Heilpflanzengärten fast ausschließlich biologisch-dynamisch kultiviert, von Hand geerntet und schonend weiterverarbeitet. Was unterscheidet diese Heilkunde z.B. von Phytotherapie, Homöopathie und anderen besonderen Therapierichtungen, die in Deutschland zumindest anerkannt sind, aber nur bei bestimmten Indikationen von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden?

Heilkundliche Spezialitäten 

Es gibt homöopathisch-potenzierte, pflanzlich konzentrierte oder in speziellen Kompositionen zusammengesetzte Arzneimittel. Einige Medikamente sind nach Angaben Rudolf Steiners (weiter-) entwickelt worden, auch z.B. die erstmalige Verwendung der Mistelpflanze 1920 als Injektion geht auf seine Anregung zurück. Er hielt auf Anfragen junger Medizinstudenten und Ärzten zwei Ärztekurse in Dornach, auch einen gemeinsamen Kurs für Seelsorger und Ärzte.

Äußere Anwendungen wie Bäder, Einreibungen und Wickel, z.B. in der Pflege, gehören in den Heilmittelschatz aller Kulturen. In der anthroposophischen Pharmazie werden metallhaltige, homöopathisch aufbereitete Salben mit Kupfer, Silber, Gold oder sogar Blei verwendet. Sie kommen in Wasser, Öl oder in einer Salbengrundlage verarbeitet zur Anwendung beim Patienten. Auch die Allergiebehandlung mit speziell zubereiteten Präparaten aus Quittenschleim und Zitronenauszügen ist auf Angaben Steiners zurückzuführen. Wirksam ist dieses Medikament vor allem als Injektion oder für Kinder als Inhalation.

Bei den sogenannten Metallspiegelpräparaten werden  unter großer Hitzeeinwirkung im Vakuum die Metalle zu Metallspiegeln verdampft, von der Wand des Glasgefäßes abgekratzt und als Pulver in Arzneimitteln weiterverarbeitet. Diese Methode ist eine der besonderen anthroposophischen Arzneimittelzubereitungen.

Der Mensch

Der Mensch ist ein Bürger zweier Welten. Rudolf Steiner entwickelte ein menschengemäßes, medizinisches Heilsystem, das seinen irdischen und himmlischen Anteilen gerecht wird. Kurz und knapp: im Menschen wirken vier sog. Wesensglieder ineinander (Physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation) und drei voneinander abhängige Systeme (Sinnes-Nerven-System, Rhythmisches System und Stoffwechsel-Gliedmaßen-System). Gesundheit, eine labile Konstante, wird durch ein dynamisches, ausgewogenes Gleichgewicht der Wesensglieder und Systeme ermöglicht. Beispiel Streßreaktionen:  bei Streß dominiert das Sinnes-Nerven-System (v.a. Nervensystem) die beiden anderen Systeme mit den möglichen Folgen Bluthochdruck und Arteriosklerose (Herz-Kreislauf, Lunge) sowie hohem Energieverbrauch und Arthrose (Gelenke, Knochen).

In diesem kurzen Artikel kann ich natürlich nur eine unvollständige Darstellung der komplexen, differenzierten Aussagen und Grundlagen anthroposophischer Heilkunst geben. Für nähere Informationen verweise ich auf die einschlägige Literatur und www.damid.de

Ausgabe Sommer 2011 - Jean-Peter Lange, HP aus Brackenheim

Diese Seite weiterempfehlen

1331

Bisher in Ihrem Namen gepflanzte Bäume!
Das regionale
ÖKO-BRANCHENBUCH

Aktuelles

HANF - PRODUKTE

4. Dezember 2018

HANF - HEILPFLANZE DES JAHRES 2019

4. Dezember 2018

STOPPT DEN PLASTIKMÜLL

4. Oktober 2018

DIE KNAPPE RESSOURCE SAND - Warum es 2100 keine Strände mehr geben wird

3. September 2018

OM² - EINE MAGISCHE MINUTE – Das Praxisbuch!

13. Juli 2018