VEGAN KANN JEDER - Interview mit den Autoren und Foodbloggern Nadine Horn und Jörg Mayer

„Nichts freut uns mehr, als daß sich immer mehr Menschen für das Thema Veganismus interessieren und daß wir durch unsere Rezepte für Eat this, für unsere Bücher und für Magazine und andere Publikationen einen Teil dazu beitragen können.“ Die Foodblogger Nadine Horn und Jörg Mayer sind Veganer aus Überzeugung. Und sie zeigen, daß die vegane Küche nicht nur kreativ, sondern auch super-einfach und extrem lecker sein kann.

 

 

Liebe Nadine, lieber Jörg, in eurer Vita bezeichnet ihr euch als Food-Nerds und Sriracha-Addicts. Was ist darunter zu verstehen?

Nadine Horn: Eigentlich ganz einfach: Wir lieben Essen und Lebensmittel, freuen uns über neue oder wiederentdeckte Gemüse, Gewürze und andere Zutaten und könnten ewig über Rezepte und Geschmackskombinationen quatschen. Das hat dann schon manchmal einen „Nerd“-Charakter.

Jörg Mayer:
Und als Liebhaber von scharfem Essen ist die thailändische Sriracha-Sauce aus Chili und Knoblauch einfach essenziell für uns. Wir haben auch immer eine Notfallration am Schlüsselanhänger. (lacht)
 

Kann vegan wirklich jeder?

Nadine Horn:
Na klar. Wir setzen uns sehr dafür ein zu zeigen, daß eine gesunde, vegane Ernährung nicht auf sündhaft teuren Zutaten und exotischen Superfoods basieren muß, und daß man sich nicht mehr, aber auch nicht weniger mit den Nährstoffen beschäftigen muß, die man sich täglich über den Teller zuführt.
 

Jörg Mayer: Mit dem „Trend Vegan“ kam auch eine gewisse Vorstellung von Privileg ins Gespräch, und dabei ist eine ausgewogene vegane Ernährung sogar äußerst günstig, solange man auf saisonale, frische Zutaten achtet. Insofern muß ein veganes Leben weder etwas mit Verzicht, noch mit einem dicken Geldbeutel zu tun haben.
 

Euer Blog www.eat-this.org wurden inzwischen mehrfach ausgezeichnet. Was macht ihr anders als andere Blogger?
 

Nadine Horn: Uff, das ist eine schwierige Frage, die eigentlich eher von Dritten beantwortet werden müßte (lacht).
 

Jörg Mayer: Wir gehen jedenfalls nicht mit dem Plan an unsere Arbeit, etwas „partout“ anders machen zu müssen. Wir möchten authentisch bleiben, zeigen unseren Lesern ein bißchen was aus unserem Leben und aus unserer Küche und sind sehr happy darüber, daß das scheinbar gut ankommt.
 

Habt ihr die Rezepte in euren Büchern tatsächlich alle selbst erfunden bzw. beim Experimentieren entwickelt?
 

Jörg Mayer: Na klar! Selbstverständlich läßt man sich inspirieren – beispielsweise auch durch nicht-vegane Rezepte – aber wir stellen schon den Anspruch an uns selbst, eigene Kreationen und Ideen zu präsentieren.
 

Wir erleben ja gerade einen echten Transformationsprozeß, was das Thema Ernährung angeht. Während „meine“ Generation (Baujahr 1964) noch mit Leberkäsbrötchen als Hauptnahrungsmittel aufgewachsen ist, ist Fleisch inzwischen verpönt. Man ißt keine toten Tiere! Wie kam es dazu, daß ihr euch zum kompletten Verzicht auf tierische Produkte entschieden habt?
 

Nadine Horn: Wir leben seit 2006 aus ethischen Gründen vegan. Wir waren beide vorher Vegetarier und entschieden uns dann, das Ganze einfach konsequent durchzuziehen und gänzlich auf tierische Produkte zu verzichten. Damals war das Thema natürlich längst nicht so stark in den Medien vertreten, und deshalb freuen wir uns natürlich riesig über das gestiegene Interesse.
 

Das Thema Ernährung ist heute für viele eine Art Ersatzreligion. Während man früher froh war, überhaupt etwas zu Essen zu finden, hat man nun Zeit, über das Essen zu philosophieren. Die Vegetarier sind dann bessere Menschen als die Mischköstler, Fleischfresser sind Mörder, und der Veganer konkurriert mit dem Rohköstler. Wie seht ihr diese Entwicklung?
 

Jörg Mayer: Wie schon erwähnt, kämpfen wir gegen diese Vorurteile ja an. Vegan zu leben hat, völlig objektiv betrachtet, nur Vorteile für die eigene Gesundheit und für den Planeten. Da ist uns das Image, welches man abbildet, eigentlich relativ egal.
Aber klar, Ernährung ist auf jeden Fall wieder Thema geworden, und das ist zunächst mal ausschließlich gut. Die Nahrung ist der Treibstoff des Körpers, und wenn sich unsere Umgebung wieder mehr mit der Qualität der Lebensmittel als mit der vom Auto-Kraftstoff beschäftigt, freut uns das. (lacht)
 

Eine negative Seite des Vegetarismus erscheint mir, daß nun auf jedem fleischfreien Produkt das Vegan-Zeichen klebt. Als hätte „vegan“ eine qualitative Aussagekraft. Auch ein Glas gechlortes Leitungswasser ist ja im Grunde „vegan“, ebenso eine Tüte Chemiesuppe oder ein Monsanto-Gemüse. Wäre es nicht besser, die individuelle Ernährungsfreiheit, jedoch mit natürlichen, saisonalen und regionalen Lebensmitteln zu propagieren?
 

Nadine Horn: Wir sehen das mit sehr gemischten Gefühlen. Es ist natürlich komfortabler, Produkte beim Einkauf direkt über ein Label als vegan identifizieren zu können. Allerdings nimmt diese zwanghafte Etikettierung, die es Herstellern natürlich auch erlaubt, den Preis nach oben zu korrigieren, absolut überhand. Es ist natürlich ein Extrembeispiel, aber Mineralwasser muß einfach nicht als vegan gelabelt werden.
 

Wie wird, eurer Ansicht nach, die Ernährung der Zukunft aussehen?
 

Jörg Mayer: Wir alle spüren massiv die Auswirkungen, die zum Beispiel die Massentierhaltung auf den Planeten hatte und nach wie vor hat. Jedoch werden aus Bequemlichkeit und Angst davor, seine Lebensweise grundlegend ändern zu müssen, auch in der Berichterstattung Emissionen aus Verkehr und Industrie als Auslöser für Klimawandel etc. vorgeschoben.  
 

Nadine Horn: Momentan rufen alle nach Elektrofahrzeugen, kaufen aber Fleisch im Discounter. Das kann nicht mehr lange so weitergehen. Deshalb sind wir uns sicher, daß sich der Mensch in Zukunft zwangsläufig mit einer pflanzenbasierten Ernährung auseinandersetzen wird.

Liebe Nadine, lieber Jörg, herzlichen Dank für eure Antworten und eure Bücher.

 

 

Das Interview führte Michael Hoppe

 

Weitere Informationen:
www.eat-this.org
 

 

 

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