CRASHKURS von Dirk Müller

Was Sie schon immer über Geld wissen wollten und nicht zu fragen wagten…

 "Mister Dax" Dirk Müller führt in allgemein verständlichen Worten aus, wie das weltweite Börsen- und Finanzsystem funktioniert, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht und wohin die Entwicklung unaufhaltsam führen muß... Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht!

 

Als mir ein guter Freund das Buch „Crashkurs“ in die Hand drückte, hatte ich keine Ahnung, wer sich hinter diesem „Mister Dax“ verbirgt, wie Dirk Müller allgemein genannt wird. „Den musst du doch kennen. Er ist das Gesicht der Börse und berichtet regelmäßig im Fernsehen über steigende und fallende Aktienkurse.“

Böhmische Dörfer! Aktienkurse haben mich noch nie interessiert, und ich habe noch keine einzige Aktie in meinem Leben besessen. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens habe ich noch nie Geld übrig gehabt, das ich hätte investieren können. Und zweitens glaube ich nicht an die wundersame Geldvermehrung und das unbegrenzte Wachstum. Wo soll denn all das Geld herkommen? Naja, um ehrlich zu sein, könnte es einen dritten Grund geben: Meine gelegentlichen Besuche im Spielcasino haben immer damit geendet, daß ich zwar um eine Erfahrung reicher, aber im Geldbeutel ärmer war. Für einen Schwaben doppelt schlimm!

Ich höre schon die Empörung einiger Experten und seriösen Anlageberater: „Wie kann man nur die Börse mit einem Spielcasino vergleichen? Dort geht es um Werte und Kurse und sachliche Analysen. Es geht um Investitionen, um Obligationen...“ Börseninsider Dirk Müller hat mir in seinem Buch „Crashkurs“ genau all das bestätigt, was ich immer vermutet hatte: Die Börse ist ein Spielcasino! Und nicht nur die Börse, sondern inzwischen unser gesamtes Finanzsystem.

Eine ganze Reihe an Wirtschaftsexperten hat bereits vor Jahren das Platzen der großen Blase vorausgesagt. Diese Tatsache wurde so lange geleugnet, bis es zum Handeln zu spät war. Nun ist sie geplatzt. Was nun folgen wird, weiß keiner so richtig. Die Prognosen pendeln zwischen anhaltender Deflation und vielen Millionen Arbeitslosen mehr, unzähligen Firmenpleiten, bishin zum kollektiven Staatsbankrott. Oder einer gigantischen Inflation, einer völligen Geldentwertung, die zwangsläufig zu einer Weltwährungsreform führen wird.

Dirk Müller führt in allgemein verständlichen Worten aus, wie das System an sich funktioniert, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht und wohin die Entwicklung unaufhaltsam führen muß. Er tut es, ohne die altbekannten Verschwörungstheorien ins Spiel zu bringen. Jedes System hat eine Art Eigendynamik. Sind die entscheidenden Parameter nicht Moral, Ehrlichkeit, Gemeinwohl, etc., so ist Mephisto nicht weit und die Profitgier verschlingt nach und nach alle Beteiligten.  

Anhand historischer Beispiele zeigt er auf, an welch seidenem Faden sowohl der Dollar als auch der Euro hängen. Was den Dollar anbetrifft, so wird schon lange spekuliert, wie lange es für die USA noch möglich sein wird, den völlig überschuldeten und eigentlich längst bankrotten Staat noch weiter wirtschaftlich am Leben zu erhalten. Ohne die kontinuierlichen chinesischen Investitionen in amerikanische Staatsanleihen wäre die Zahlungsunfähigkeit bereits Realität. Die aktuellen Berichte über die Billionenverluste der Rentenfonds und die inzwischen fast 100 Bankenpleiten allein in diesem Jahr sprechen für sich. Zudem haben im Jahre 2008 in den USA, sage und schreibe, 20.000.000 Menschen ihre Immobilie verloren und leben nun teilweise in Zelten, in ihren Autos oder auf der Straße. Wenig wird darüber in den Medien berichtet. Verlust der Immobilie geht einher mit Privatinsolvenz, was soviel heißt wie dauerhafte Unfähigkeit, am Wirtschaftssystem weiter aktiv teilzunehmen.

Was den Euro angeht, so hat dessen Einführung nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern Europas eine gewaltige Teuerungswelle ausgelöst. Dirk Müller erklärt, wie sogenannte „Inflationsprognosen“ erstellt werden, und warum zwischen der „gefühlten“ Inflation und den staatlich präsentierten Zahlen so eine große Kluft besteht. Nach seiner Berechnung haben wir in Deutschland eine reale jährliche Inflation (Geldwertverlust) von ca. 10 %. Ob das so ist, kann schwer belegt werden. Wenn man sich jedoch mit Menschen darüber unterhält, wie sich ihre finanzielle Situation seit Einführung des Euro entwickelt hat, so sind selten positive Stimmen zu vernehmen. Was auch immer uns von staatlicher Seite vorgerechnet wird.   

Auch die realen Zahlen rund um die Arbeitslosigkeit werden selten präsentiert. Wie viele nicht erwerbstätige Menschen aufgrund sogenannter Fortbildungsprogramme, Altersteilzeit oder staatlich finanzierter Kurzarbeit nicht in der Statistik auftauchen, kann ebenso wenig überprüft werden.

All das ist nicht ganz neu. Dirk Müller hat in seinem Buch „Crashkurs“ vieles zusammengefasst, was wir immer schon geahnt haben, jedoch nie beweisen konnten. Wollen wir das überhaupt? Wollen wir wirklich wissen, wie es tatsächlich um die Gesamtsituation bestellt ist? Oder würde uns das allzu sehr frustrieren und mutlos machen? Eine schwierige Frage!

Der Untertitel des Buches: Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance? läßt die Antwort offen und wirft sogleich neue Fragen auf: Gelingt es uns, etwas aus dieser Krise=Chance zu lernen? Und wenn ja, können wir kollektiv etwas ändern? Wenn eine Situation so komplex und unüberschaubar ist wie unser Wirtschafts- und Finanzsystem, so drängt sich bisweilen ein Bild aus der griechischen Mythologie auf: der gordische Knoten! Dieser Knoten war so unentwirrbar, daß es niemandem gelang, ihn zu lösen. Bis einer kam, der ihn mit einem einzigen Schwerthieb durchschlug. Auch unser Finanzsystem ist nicht zu entwirren. Durch die weltweiten, nicht nachvollziehbaren Kanäle und Verknüpfungen ist es schlichtweg unmöglich, dieses System zu ändern oder gar zu kontrollieren. Und vor allem, wer sollte das tun? Die Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft sind ja ebenso auf die potentiellen Gewinne und Einnahmen der Finanzstrategen angewiesen, die sie eigentlich zügeln sollten. Wir sind als Kollektiv so hoch verschuldet, daß wir immer neues Geld „erschaffen“ müssen, um das Zins- und Zinseszinssystem am Leben zu erhalten. Und die einzige Möglichkeit für die Finanzstrategen, die immensen, gerade erst erlittenen Verluste wieder wettzumachen, ist der Weg zurück ins Casino. Denn nur im Casino (oder beim Lottospiel) sind „theoretisch“ Gewinne zu erzielen, die über dem realen Wachstum der Wirtschaft liegen. Nur der Zocker hat die Chance, ein Vielfaches von dem zu verdienen, was er einsetzt. Theoretisch, wohlgemerkt. Doch auch die Zocker werden immer wieder von der Realität eingeholt.

Dirk Müller geht in seiner Betrachtung der aktuellen Situation noch einen Schritt weiter. Ich wage kaum, diesen Gedanken hier wiederzugeben, da er eine unangenehme Zukunftsprognose darstellt. Unsere sich immer weiter steigernde Brot-und-Spiele-Mentalität sieht er als Zeichen dafür, daß sich unsere Gesellschaftsform ähnlich dem „Alten Rom“ oder dem „Alten Griechenland“ langsam dem Ende neigt. Durch die immer mehr nachlassende Bereitschaft, sich aktiv, begeistert und überzeugt für die Erhaltung unserer Werte und die Weiterentwicklung unserer kulturellen Errungenschaften einzusetzen, durch die Null-Bock-Mentalität und den Hang hin zum „Chillen“ und „Abhängen“, zeichnet er das Bild des unaufhaltsamen Niedergangs dessen, was die Vorgenerationen mühsam „erarbeitet“ haben. 

Wie es sich für einen Analysten gehört, für jemanden, der zwar Prognosen erstellt, jedoch kein Hellseher ist, überläßt „Mister Dax“ es dem Leser, sich die Zukunft selbst auszumalen. Er bietet zwei Szenarien an: Das sogenannte „Horrorszenario“, welches eine logische Fortsetzung alles dessen wäre, was sich in den vergangenen Monaten angebahnt hat. Oder ein „Hoffnungsszenario“. Dieses unterscheidet sich jedoch im Großen und Ganzen nur temporär. Es beinhaltet, daß – wie Dirk Müller es ausdrückt – die Zocker uns noch einmal Glauben machen können, es hätte alles seine Ordnung, so wie es ist. Damit gewinnen wir dann drei, fünf oder sieben Jahre. Denn das Ende steht schon fest! Der gordische Knoten wird zerschlagen werden. Durch wen, und was nach dem Ende des „alten Systems“ kommen wird, darüber hüllt er sich in Schweigen… Denn er ist nur Analyst, kein Hellseher!

Ausgabe 12/2009

Michael Hoppe

Kontakt: mh@naturscheck.de

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