WWW – WasWäreWenn? – Impulse für eine friedvollere und harmonischere Zukunftsgesellschaft!

12. Juli 2016

Man muß die Welt nicht neu erfinden, wenn man positive Veränderungen herbeiführen will. Bisweilen genügt es, andere Impulse zu setzen. Eine neue Saat bringt irgendwann auch neue Früchte hervor. Und in der Folge kann sich dadurch ein anderes Bewußtsein entwickeln. Wir haben im NATURSCHECK schon zahlreiche praktische Zukunftsvisionen vorgestellt. In dieser Ausgabe geht es um das Thema „Konkurrenz und Wettbewerb“.

 

 

 

Noch immer glauben wir, uns mit (allen) anderen Menschen auf diesem Planeten messen und vergleichen zu müssen. Besser als, größer als, schöner als ... Der Definitionen gibt es viele. Werbung und Medien untermauern diese Illusion noch. Und je talentierter wir sind, desto größer ist die Versuchung, in das große Kräftemessen mit einzusteigen.
Während es dabei natürlich viele Siege zu feiern gibt, so wird es doch immer irgendjemanden geben, den wir nicht „übertrumpfen“ können. Die Tragödie ist also vorprogrammiert. Mit dem Konkurrieren geht aber unbewußt auch ein Sich-Anpassen einher und ein Verlust der eigenen Identität. Was wir anfänglich noch für eine „erfolgreiche Strategie“ halten, kann sich schnell zu einem Maskenball entwickeln, bei dem unser wahres Ich auf der Strecke bleibt.

Ein Beispiel

Haben Sie im Mai den Eurovision Song Contest (ESC) gesehen? Wie in jedem Jahr traten Künstler aus (fast) allen europäischen Ländern „gegeneinander“ an. Das Ganze soll eigentlich ein großes Fest der Nationen sein, bei dem wir uns an der Musik und den internationalen Beiträgen erfreuen. Denn es ist ja die kulturelle Vielfalt, die das Besondere an Europa ausmacht.
Soviel zur Theorie. In der Praxis steht am Ende der Veranstaltung jedoch die finale Bewertung. Der Wettbewerb. Der subjektive Vergleich mit „den Anderen“. Und das verändert alles. Aus der anfänglich freudevollen Gesamtstimmung wird plötzlich eine Selektion. Es wird einen Sieger geben - und viele Verlierer. Während sich die einen über zwölf Punkte freuen und in Jubelstürme ausbrechen, schämen sich jene, die keine Punkte erhalten. Bei vielen ist die Enttäuschung groß. Jeder versucht dabei gute Miene zum unangenehmen Spiel zu machen, was jedoch nicht immer gelingt. Denn Hohn und Spott sind den Verlierern von jeher gewiß. Bei einigen Nationen erwacht sogar das Mißtrauen, ob denn bei der Punktevergabe wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Etc.
Die Frage ist nun: Trägt eine solche „Ländervergleichsveranstaltung“ wirklich zu Harmonie und Völkerverständigung bei? Oder  bewirkt sie genau das Gegenteil?
Eine Bewertung ist immer das Resultat einer individuellen, subjektiven Wahrnehmung. Und die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Wer aber von allen geliebt und mit Punkten versehen werden will, neigt dazu, den eigenen Weg zu verlassen und sich dem „Mainstream“ anzupassen. Beim ESC wird genau diese Entwicklung sichtbar: Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, sind viele Länder überzeugt, nicht sie selbst sein zu dürfen! Man gibt die eigene nationale Identität auf und schlüpft in die Uniformen der amerikanischen oder englischen Popstars. In dem dabei entstehenden Einheitsbrei kann man keine Nation von der anderen unterscheiden. Alle sehen ähnlich aus, singen ähnlich und tanzen ähnlich. Keiner wagt es, individuell oder gar national zu sein. Selbst die eigene Landessprache ist Tabu, denn die könnte ja das große Scheinziel, die erhoffte Punktzahl, gefährden. Aus Individuen werden uniformierte Einheitsmenschen.

Was wäre wenn …

… es nicht um Punkte, oder um Sieg und Niederlage ginge? Was wäre, wenn man sich dazu entschließen würde, nicht mehr „gegeneinander“ anzutreten, sondern jeden Auftritt zu würdigen als einen individuellen Beitrag einer individuellen Nation?
Sobald wir nicht mehr mit anderen Menschen in Konkurrenz sind, können wir uns endlich wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Jede Nation darf stolz sein auf die eigene Kultur und die in Jahrhunderten gewachsenen Errungenschaften. Man kann zeigen, welche Art von Musik die individuelle Volksseele am meisten berührt, so daß alle Zuhörenden etwas über diese Kultur erfahren und etwas dazulernen können. Anstatt einen englisch-amerikanischen „Klon“ zum ESC zu schicken, darf jede Nation ihre Muttersprache und ihre traditionellen Instrumente benutzen.
Zudem können die einzelnen Interpreten ihre persönliche Individualität zum Ausdruck bringen, ohne daß sie befürchten müssen, dafür durch negative Bewertung bestraft zu werden.
Jeder darf ganz er selbst sein und das Fest der unterschiedlichen Nationen von ganzem Herzen genießen. Einen Sieger wird es dann zwar nicht geben, aber auch keine fünfhundert Millionen Verlierer.

Konkurrenzlose Wirtschaft

Christian Felber hat mit seinem Buch „Gemeinwohlökonomie“ ein sehr ähnliches Phänomen aufgezeigt: Ein Wirtschaftsmodell, das alle Menschen miteinander in Konkurrenz setzt, züchtet Egoisten und Karikaturen. Wenn bereits im Kindergarten der „Bessere“ herausselektiert und seine Talente von hochmotivierten Eltern bis zum Exzess gefördert werden, dann mag dies wohl der Wirtschaft, jedoch nicht unbedingt dem Individuum oder der  Gesellschaft nutzen.
Haben Sie schon einmal ein glückliches Genie getroffen? Oder einen völlig entspannten, authentischen „Global Player“? Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, daß in der griechischen Mythologie die größten Helden auch gleichzeitig die größten Tragödienfiguren sind?
Permanente Konkurrenz führt irgendwann zur permanenten Gleichschaltung, sobald die sichersten und direktesten Erfolgswege ausgemacht sind. Dann trägt der Banker seine globale Bankeruniform mit unaufdringlicher Krawatte. Der Versicherungsfritze fügt noch eine silberne Anstecknadel hinzu. Der Doktor trägt weiß, und der Bestatter und der Priester tragen schwarz. Nicht weil ihnen diese Farben gefallen, sondern weil es sich eben so gehört. 
Dazu muß man sich die fundamentale Frage stellen, welche Charaktereigenschaften unser heutiges Wirtschaftsmodell tatsächlich fördert? Was braucht der potentielle Erfolgsmensch? Durchsetzungsvermögen, Ellbogen, Coolness, Härte, Egoismus, und bisweilen – siehe VW - absolute Schamlosigkeit. Kann ein solches Modell zur Harmonie in der Gesellschaft und zum eigenen Seelenfrieden beitragen? Auf Dauer sicher nicht!

Was wäre wenn …

… wir das wirtschaftliche Konkurrenzdenken abschaffen und es stattdessen mit dem  Gemeinwohlmodell probieren würden? Wenn wir nicht mehr in Egoismus, sondern in Gemeinwohl denken – und uns nicht mehr in Konkurrenz fühlen zu allen anderen Kreaturen auf diesem Planeten?
Die Gemeinwohlökonomie ist keine Utopie. Sie ist leicht umsetzbar und würde allen Menschen und der Natur nützen. Auch die Kernaussage ist ganz einfach: Je mehr die wirtschaftlichen Entscheidungen dem Allgemeinwohl dienen, desto besser werden die Rahmenbedingungen. Was übersetzt bedeutet: Je ökologischer und sozialer Ihre Firma ist, desto günstiger werden die Kredite, die Sie von den Banken erhalten und desto niedriger die Steuersätze. Also das Gegenteil vom heutigen System!
Je sozial engagierter Ihre Tätigkeit ist, desto höher ist die Bezahlung. Je mehr wir also alle dem Gemeinwohl dienen, unsere Mitmenschen respektieren, die Natur schützen und zum Erhalt unseres wunderschönen Planeten beitragen, desto erfolg„reicher“ werden wir.
Diese Vision ist ohne weiteres in der Praxis umsetzbar. Immer mehr Firmen und Gemeinden erstellen eine sogenannte „Gemeinwohl-Bilanz“, um herauszufinden, wie weit die eigene soziale Kompetenz entwickelt ist und wo man noch nachbessern könnte. Ein wichtiger Schritt in eine lebenswertere Zukunft.
Sobald wir das Konkurrenzdenken aufgeben und solidarisch denken, ändert sich alles. Wenn unsere Kinder bereits in der Schule lernen, daß jeder Mensch ein völlig unabhängiges Individuum ist und sich seiner individuellen Art entsprechend entfalten darf, daß Ehrlichsein tatsächlich am längsten währt, sich Solidarität auch finanziell lohnt und die Gemeinschaft über dem Egoismus steht, dann werden diese neuen Impulse zu einer neuen Art von Gesellschaft führen. Ganz automatisch. So wie heute – ganz automatisch – das Gegenteil geschieht.

Konkurrenzlose Politik

Die Politik stellt sich dem Gemeinwohldenken noch immer in den Weg. Kein Wunder, leben doch gerade Politiker von der Uneinigkeit zwischen den Menschen. Was ist das erste, was uns zum Thema Politik einfällt: Jeder ist gegen jeden, und alle sind miteinander in Konkurrenz. Rot ist gegen Grün, Blau ist gegen Gelb. Und das nicht etwa aus persönlicher Überzeugung, sondern weil es sich politisch so gehört. Dazu sind sich auch innerhalb der Parteien alle spinnefeind, steht man sich doch auch karrieretechnisch gegenseitig im Weg.
Demokratie bedeutet heute: Egal wie gut eine Idee ist, stammt sie nicht von dir selbst, so wird sie rigoros abgelehnt und niedergebrüllt. Man sucht nicht den höchsten, sondern den geringsten gemeinsamen Nenner, den Kompromiss. Politik ist längst zum Selbstzweck geworden und lebt von der Streit-„Kultur“, die nichts anderes ist als eine unvorstellbare Zeit- und Energieverschwendung. Und in welchem Land kann man sich wirklich auf seine „Führer“ verlassen?
Das Konkurrenzdenken ist in der Politik so tief verwurzelt, daß die politischen Wendehälse inzwischen zur Urkarikatur des Menschseins verkommen sind. Heute hüh, morgen hott, Hauptsache dem potentiellen Wähler gefällt´s. Man sagt das, was andere Menschen hören wollen, läßt die „individuelle und ganz persönliche Meinung“ von wildfremden Redenschreibern verfassen und liest sie dann von Monitoren ab.
Im Grunde kann uns jeder Politiker leidtun. Das Schmerzensgeld, das man erhält, um Seinesgleichen bei deren Monologen zuhören zu müssen, ist hart verdient.

Was wäre wenn …

… wir nicht mehr die miteinander konkurrierenden Parteien, sondern den Menschen in den Mittelpunkt unserer „Politik“ stellen würden? Wenn wir uns, statt für kleinkarierte Parteipolitik für das Wohl der gesamten Menschheit, der Mutter Erde und der Schöpfung entscheiden würden?
Was ist denn der erste gemeinsame Nenner? Alle Menschen wollen glücklich sein, jeder auf seine Art. Kann man glücklich sein, wenn man mit acht Milliarden Menschen in Konkurrenz steht? Unmöglich!
Wenn man jedoch acht Milliarden Mitstreiter hat, die dasselbe wollen und sich aktiv dafür einsetzen, kann man unermeßlich viel erreichen. Doch wo fangen wir an? Mit einem persönlichen Bewußtseinswandel! Indem wir ab sofort jede Konkurrenz zu anderen Menschen ablehnen, sei es politisch oder im persönlichen Leben. Indem wir unsere Mitmenschen nicht mehr als Feinde im großen Kampf ums globale Überleben sehen, sondern als Mit-Menschen, die genau wie wir auf der Suche nach einer lebenswerten Zukunft sind. Das Leben ist kein Spiel um Punkte und Medaillen. Denn wo Sieger sind, da sind auch viele Verlierer. Hören wir auf, uns miteinander zu vergleichen, uns aneinander zu messen und gegenseitig zu übertrumpfen. Werden wir konkurrenzlose und unvergleichbare Menschen – dann ändert sich alles.

Autor: Michael Hoppe

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