ÖKOZID – Das Monsanto Tribunal von Den Haag

3. Dezember 2017

Während die EU-Kommission und allen voran unsere deutsche Bundeskanzlerin weiter für eine Zulassungsverlängerung der hochgiftigen Chemikalie Glyphosat wirbt, strahlte ARTE im Oktober den Beitrag  „Roundup – Der Prozeß“ aus. In der Dokumentation der französischen Filmemacherin Marie-Monique Robin kommen Betroffene aus aller Welt zu Wort. Das Resultat ist erschütternd: Wir erleben einen globalen Ökozid mit Millionen von Opfern – und die deutsche Politik ist auf der Seite des Teufels.

 

Die Schizophrenie könnte größer nicht sein: Unzählige Wissenschaftler warnen vor Glyphosat. Umweltschutzorganisationen versenden tagtäglich Petitionen und fordern das sofortige Verbot des Universalgiftes. Unabhängige Experten legen Studien vor, die belegen: Glyphosat schadet uns allen - den Menschen, den Tieren, den Pflanzen und dem ökologischen Gleichgewicht in der Natur.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen ignoriert alle Warnungen und verspricht den deutschen Landwirten, „daß sie selbst und die CDU sich mit aller Kraft für die weitere Nutzung von Glyphosat einsetzen werde.“ Auch Christian Schmidt, seines Zeichens Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, bläst in dasselbe Horn.


Im Namen des Volkes?

Ähnlich wie bei der Atomkraft zeigt sich beim Thema Glyphosat, wie korrupt und skrupellos unsere lobbygesteuerte Politik in ihrem Kern doch ist. Sie agiert im Dienste der Großindustrie und handelt ohne Rücksicht auf Verluste. Denn längst ist bekannt, welche katastrophalen Folgen der Einsatz des Monsanto-Giftes überall dort hat, wo es regelmäßig und über längere Zeit zum Einsatz kommt.

In typischen „Monsato-Ländern“ wie den USA und Argentinien sind riesige Landstriche ökologisch tot. Landarbeiter leiden an schwersten Immunerkrankungen, und viele Kinder kommen bereits krank zur Welt. Vielerorts hat sich die Zahl der Krebsfälle ver40facht!!!
Auch das globale Bienensterben, der Rückgang der Vogelpopulation und viele andere „Natur-Katastrophen“ werden von unabhängigen Studien in einen direkten Zusammenhang mit Glyphosat gebracht.

Die kalifornische „Behörde für Gesundheit und Umwelt“ hat Glyphosat im Juli 2017 auf die Liste potentiell krebserregender Chemikalien gesetzt. Und selbst die sehr pharmafreundliche Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Glyphosat inzwischen als stark gesundheitsgefährdend ein.

Nur im deutschen Kanzleramt ist die Erde noch immer eine Scheibe - und Glyphosat für die deutsche Landwirtschaft „alternativlos“!
 


Der Giftstoff

Für all jene, die mit dem Begriff Glyphosat nichts anzufangen wissen, hier die auf Wikipedia hinterlegte Definition: „Glyphosat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonate. Es ist eine biologisch wirksame Hauptkomponente einiger Breitbandherbizide und wurde seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre von Monsanto als Wirkstoff unter dem Namen „Roundup“ zur Unkrautbekämpfung auf den Markt gebracht und wird in Landwirtschaft, Gartenbau, Industrie und Privathaushalten eingesetzt. Weltweit ist Glyphosat seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden.“

Entwickelt wurde der Stoff bereits in den 1950er Jahren und schließlich1964 erstmals patentiert. Ursprünglich wurde er zur Reinigung verschmutzter Rohre und Kessel eingesetzt, da er Metalle und Mineralien bindet.
Für natürliche Organismen ist Glyphosat eine echte Massenvernichtungswaffe! Daher kam eine Vorstufe des heutigen „Roundup“ auch als „Agent Orange“ im Vietnamkrieg zum Einsatz. Die Amerikaner versprühten den Giftstoff als „Entlaubungsmittel“ über großen Waldgebieten, um bessere Sicht auf „den Feind“ zu haben.

Glyphosat wirkt nicht-selektiv, unterscheidet also nicht zwischen nützlichen und weniger nützlichen Pflanzen, sondern tötet alle Pflanzen ab - außer denen, die von Monsanto gentechnisch verändert und dadurch resistent gemacht werden.

Spätestens hier kommt der Teufel ins Spiel! Denn im Umkehrschluß bedeutet das: Je mehr Glyphosat im Einsatz ist, desto größer die Nachfrage nach „Gen-Pflanzen.“ Man könnte auch sagen: Je vergifteter die Böden, desto höher die Rendite für Monsato. 
Dieses menschen- und naturverachtende Multimilliardengeschäft gipfelt derzeit in den Fusionsplänen zwischen dem „deutschen“ Pharmariesen Bayer und Monsanto. Wobei diese Fusion wohl eher dazu dient, Monsanto eine Freikarte für den europäischen Markt zu sichern. Denn die Hauptaktionäre der internationalen Bayer AG dürften in etwa dieselben Investoren sein, die auch die Aktien an Monsanto besitzen. 

Nichtsdestotrotz möchte die deutsche Politik der Fusion anscheinend nicht im Wege stehen. Wie anders wäre zu erklären, daß man sich aktiv für die Zerstörung und Vergiftung der eigenen Umwelt einsetzt? Und für die Abhängigkeit von einem machtgierigen, amerikanischen Pharmakonzern?
 


Die Filmemacherin

Marie-Monique Robin hat schon mehrfach über Monsanto berichtet. Durch ihren 2008  entstandenen und vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilm „Monsanto, mit Gift und Genen“ wußte sie bereits vieles über Glyphosat. Aber daß der Schaden, den diese Chemikalie anrichtet, so groß ist, war selbst ihr nicht bewußt.

Nach den Recherchen für den neuen Film „Roundup – Der Prozeß“ und nach zahllosen Gesprächen mit Betroffenen erklärte Marie-Monique Robin: „In meinen Augen ist Glyphosat eines der giftigsten Produkte, das die Menschheit je erfunden hat. Im Jahr 1974 ließ Monsanto die Chemikalie als Unkrautvernichtungsmittel patentieren. Allerdings wirkt sie derart, daß sie, wenn sie in den Erdboden gelangt, dort die Mineralien bindet und den Pflanzen wichtige Nährstoffe entzieht.

In Sri Lanka löste diese chelatbildende Verbindung in einem Reisanbaugebiet eine Epidemie tödlicher Nierenkrankheiten aus. Von der WHO wurde Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“ eingestuft.

Seitdem haben in den USA 3.000 am Non-Hodgkin-Lymphom erkrankte Landwirte eine Sammelklage gegen Monsanto eingeleitet. Glyphosat kann das Hormonsystem beeinflussen und zu Fehlbildungen im Mutterleib führen. Im Jahr 2010 wurde die Substanz von Monsanto als Antibiotikum patentiert. Allerdings kann sie ebenso die guten Bakterien der Darmflora wie die der Böden zerstören.

Es gibt sehr wenige Chemikalien, die so vielfältig zerstörerisch wirken. Das ist sehr beunruhigend, da Glyphosat das am häufigsten eingesetzte Herbizid weltweit ist: 800.000 Tonnen wurden im Jahr 2016 versprüht, meist über gentechnisch veränderte Sojabohnen, mit denen wiederum europäische Tiere gefüttert werden. So wurden Glyphosatrückstände überall in der Nahrungskette gefunden, etwa in Biersorten und im menschlichen Urin!“


Die Dokumentation

Grundlage für den Dokumentarfilm „Roundup – Der Prozeß“ war eine Veranstaltung, die im Oktober 2016 in Den Haag durchgeführt wurde. Wie bei einem internationalen Strafgerichtsprozeß üblich, wurden Betroffene geladen, die ihre „Anklagen“ und persönlichen Erfahrungen mit Glyphosat einem Gremium von fünf unabhängigen Richtern vortrugen.

750 Teilnehmer aus 30 Nationen waren angereist, viele in der Hoffnung auf Gerechtigkeit. Sie berichteten über erschütternde Einzelschicksale, über Erkrankungen und Mißbildungen bei Menschen und Tieren, aber auch über akribisch durchgeführte Langzeitstudien, an welchen sich in Argentinien inzwischen unzählige junge Menschen beteiligen. Man möchte dem „satanischen“ Monsanto-Treiben nicht mehr länger tatenlos zusehen.

Dabei wurde jedoch auch deutlich, wie weitverzweigt das Monsanto-Lobbyisten-Netz ist, welches hierzulande offensichtlich bis ins Kanzleramt reicht. Wie der NATURSCHECK bereits 2013 berichtete, war der argentinische Cheflobbyist von Monsanto jahrelang auch Vertreter der Umweltschutzorganisation WWF und gleichzeitig politischer Entscheidungsträger für die regionale Landwirtschaft. So konnte er sich selbst eine Unbedenklichkeitserklärung für alle Monsanto-Produkte ausstellen und den sympathischen Panda als Werbefigur benutzen.


Globale Ernährungskontrolle durch Gentechnik

Inzwischen sind über 60 % der Agrarfläche Argentiniens ökologisches Brachland, auf welchem außer „Monsanto-Gensoja“ keine andere Pflanze mehr wächst. Von den gesundheitlichen Folgen für die Landwirte ganz zu schweigen.

Monsanto ist auf der ganzen Welt „politisch aktiv“. Erklärtes Ziel ist die globale Ernährungskontrolle durch gentechnisch veränderte und patentierte Hybridpflanzen. Dafür müssen jedoch zuerst einmal alle natürlichen Pflanzen ausgerottet werden!!!

Dieses Horrorszenario wird von vielen amerikanischen Multimilliardären aktiv unterstützt. Selbst der so beliebte Microsoft-Gründer Bill Gates ist mit im Boot und finanziert - gemeinsam mit der Rockefeller-Stiftung - die Entwicklung „künstlich erzeugter, nährstoffreicher Pflanzen“. Denn angeblich können „natürliche Produkte“ den Hunger in der Welt nicht stillen.

Da Glyphosat in diesem ganzen Prozedere eine wichtige Rolle spielt, wird der Giftstoff von höchster Ebene protegiert. Wider jeden gesunden Menschenverstandes wird Glyphosat weiter versprüht, und namhafte Wissenschaftler stellen gegen Honorar positive Gutachten aus. Welcher Hohn, wenn in deutschen Mainstreammedien Sätze zu lesen sind wie: „Glyphosat ist weniger gefährlich als Kochsalz.“ Manche Journalisten sind sich für nichts zu schade.


Das Monsanto Tribunal von Den Haag

Da es sich bei dem „Roundup-Prozeß“ in Den Haag um keine offizielle Veranstaltung handelte und Monsanto auch keinen Verteidiger schickte, konnte natürlich auch kein rechtskräftiges Urteil gesprochen werden. Nach Anhörung aller Fakten plädierte das fünfköpfige Tribunal dafür, den „Ökozid“, also das Verbrechen gegen die Ökosysteme, zu einem Tatbestand des internationalen Gerichtshofs zu erklären und die Ende 2017 auslaufende Zulassung von Glyphosat in der EU unter allen Umständen zu bestätigen. Eine Neuzulassung von Glyphosat hielt man für absolut unverantwortlich.

Ob dieses Urteil bis nach Brüssel oder gar bis nach Berlin vorgedrungen ist? Anscheinend nicht! Frau Merkel ist noch immer „alternativloser“ Glyphosat- und Monsantofan, so wie sie auch alles dafür getan hat, die Atomkraft so lange als möglich am Laufen zu halten. Sie war es, die sich dafür eingesetzt hat, die Energiewende rückgängig zu machen. Und wäre nicht Fukushima dazwischengekommen, würden unsere großen AKW-Betreiber weiter das alleinige Strommonopol in Händen halten. Was nur treibt diesen vom Volk gewählten Menschen dazu, in 90 von 100 Fällen gegen die Interessen des Gemeinwohls und der Natur zu entscheiden?

Was Glyphosat angeht, findet auch in politischen Kreisen langsam ein Umdenken statt. Zumindest in einigen europäischen Ländern: Frankreich, Niederlande und Schweden lehnen eine Verlängerung der Zulassung bereits ab. Die EU-Bürger sind mehrheitlich gegen Glyphosat. Die EU-Kommission schwankt noch in ihrer Entscheidung.


Der Landwirt als Sklave der Pharmaindustrie

Doch wie bereits oben erwähnt, hat Glyphosat hierzulande noch immer viele Befürworter. Und selbst Gartenfreunde und Naturliebhaber steuern im Baumarkt regelmäßig den Giftschrank an. Die jahrzehntelange pharmalobbygesteuerte Gehirnwäsche durch die EU hat überall ihre Spuren hinterlassen. Vor allem konventionell wirtschaftende Bauern schwören auf ihr Universalgift, das ihnen die Arbeit erleichtert, die lästigen „Schädlinge“ vom Leibe hält und ihre Monokulturen so „pflegeleicht“ als möglich macht.

In vielen industriell betriebenen Nahrungsfabriken geht es nicht in erster Linie um Qualität und Natürlichkeit, sondern um Masse und maximale Rendite. Daß diese Rendite im Zeitalter der Billig-Ernährungskultur kaum noch zu erzielen ist, ist die natürliche Wechselwirkung. Denn wer keine Achtung vor der Natur und seinen Mitlebewesen hat – und hierzu gehören neben den Mitmenschen auch die Nutztiere, die Pflanzen, die Insekten und selbst die sogenannten „Unkräuter“ – der braucht sich nicht zu wundern, wenn der Schöpfer der Natur auch ihm eines Tages die Existenzberechtigung entzieht. Bereits heute ernten viele ehemals freie Bauern das, was sie gesät haben und sind längst zu Sklaven der Großkonzerne geworden.

Der bekannte Naturforscher Viktor Schauberger drückte es einmal so aus: „Früher war der Landwirt für seine Erdscholle Priester und Arzt. Heute behandelt er sie wie eine Hure, die er respektlos ausbeutet und sich dabei wundert, daß das Luder jedes Jahr weniger hergibt.“

Ob Gentechnik, Glyphosat, Monokultur oder Massentierhaltung, der Kampf gegen die Natur muß endlich ein Ende haben. Auch wenn die ferngesteuerte Politik noch immer das Gegenteil predigt. Dazu können wir alle beitragen! Werden wir mündige Bürger, und unterstützen wir nur noch Landwirte und Unternehmen, die ökologisch und nachhaltig wirtschaften. Stoppen wir die Vergiftung unserer Umwelt. Schließen wir uns zu Gemeinschaften zusammen, die sich aktiv für Nachhaltigkeit einsetzen. Werden wir selbst zu der natürlichen Veränderung, die wir in der Welt sehen wollen.

Autor: Michael Hoppe


Weitere Filmtipps:

Roundup, der Prozeß
. Frankreich, 2017, 90 Min., Regie: Marie-Monique Robin. ARTE.

Gift im Acker – Glyphosat, die unterschätzte Gefahr?
Deutschland, 2015, 42:50 Min., Buch und Regie: Volker Barth und Susanne Richter, Produktion: WDR. Der Film wurde mit dem Salus-Medienpreis Hauptpreis 2016 ausgezeichnet.

Tote Tiere, Kranke Menschen, Glyphosat und seine Folgen
, Dokumentarfilm, Deutschland, 2013, 45 min, Buch und Regie Andreas Rummel. Der Film wurde mit dem Salus-Medienpreis Hauptpreis 2014 ausgezeichnet.

Chronisch vergiftet - Monsanto und Glyphosat. Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet
. ARTE Doku 2015

 

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