Die Räucherfrau aus Magstadt

13. September 2011

Gibt es Zufälle? An einem Samstagabend im Juli saßen wir an einem Lagerfeuer und unterhielten uns über die uralte Kunst des Räucherns. Weihrauch, Myrrhe, Sandelholz, wunderbare Düfte, die etwas in uns stimulieren, die uns berühren und unser Unterbewußtsein ansprechen. Da wies uns eine gute Freundin auf die „Räucherfrau“ Christine Fuchs aus Magstadt hin, die Expertin, wenn es um das Thema Pflanzendüfte geht. Und zwei Tage später lag ein Brief in unserem Briefkasten – Absender: Christine Fuchs.

Nein, Zufälle gibt es nicht. Dessen sind sich all jene bewußt, die ganzheitlich denken. Alles, was uns umgibt, hat einen Einfluß auf uns. Alles ist mit allem verbunden. Und nichts ist ohne Bedeutung. Selbst etwas so Subtiles wie ein Duft, unsichtbar, oft kaum wahrzunehmen, wirkt auf unser Befinden. Glaubt man neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, sind Düfte der auslösende Faktor, wenn es um die Wahl unseres Partners geht. Der Duft mancher Menschen „betört“ uns geradezu, während wir andere Menschen „nicht riechen können.“ Düfte beeinflussen unser Kaufverhalten, sie machen glücklich oder unglücklich, machen aggressiv oder beruhigen, und sie motivieren, wenn man die richtigen Düfte wählt.
Eine uralte Form, Düfte freizusetzen, ist das Räuchern. Die Archäologen datieren den Ursprung der Räucherkunst auf das Jahr 400.000 vor unserer Zeit. Seit der Mensch das Feuer bewußt zu nutzen versteht, kennt er den Duft, den Hölzer, Rinden, Blätter, Wurzeln und Gräser freisetzen. In ihrem Buch „Räuchern mit heimischen Pflanzen“ erklärt Christine Fuchs, wie alles begann: „Die Menschen damals haben die Natur beobachtet, mit allen Sinnen. Das, was sie ins Feuer warfen, setzte bestimmte aromatische Düfte frei. Sie haben auch sich selbst beobachtet und nahmen wahr, wie sie auf das reagierten, was da langsam im Feuer verglomm … Daraus hat sich ein großes Wissen über Pflanzen entwickelt – und eine weltweite Räucherkultur. In allen bedeutenden Hochkulturen pflegten die Menschen mit den vielfältigsten Räucherstoffen ganz selbstverständlich ihr körperlich-seelisches Wohlbefinden. Sie setzten verräucherte Kräuter und Harze für medizinische, religiöse und auch magische Zwecke ein.“

Die Räucherkunst

Ob Bachblüten, Kräuterextrakte oder Kräutertees, längst wissen wir, daß jede Pflanze eine besondere Wirkung auf uns Menschen hat. Im übertragenen Sinne ist die Natur eine große Apotheke, die alles bereithält, um uns heil und gesund zu halten. Je mehr wir uns jedoch in unserer verstandesorientierten Entwicklung von der Natur entfernt haben, in dem bizarren Glauben, über deren Gesetzmäßigkeiten zu stehen, desto mehr haben wir das alte Wissen um die unermeßlichen Schätze der Natur verloren. Dieses Wissen wiederzubeleben ist Christine Fuchs ein großes Anliegen. In ihrer Räuchermanufaktur „Labdanum“ in Magstadt stellt sie eigene, hochwertige Kräutermischungen her. Diese Eigenkreationen sind auf die Bedürfnisse des heutigen Menschen abgestimmt. Ziel ist es, eine Brücke zu bilden zwischen dem traditionellen Heilwissen alter Kulturen und den modernen körperlichen wie seelischen Anforderungen der Jetztzeit.

Wie Pflanzendüfte entstehen …

„Pflanzen sind zunächst einmal feste Materie.“, so Christine Fuchs, „Durch die Verwandlungskraft des Feuers geht nun die feste Materie in einen anderen Zustand über – das ist der alchimistische Wandlungsprozeß des Verbrennens. Materie wandelt sich zu Rauch, in dem sich das Wesen oder der Geist der Pflanze zeigt. Denn im Wesen oder Geist stecken alle Informationen, die die Pflanze für uns hat. Das ist auch der Grund, warum Pflanzen überhaupt mit uns auf seelischer, geistiger oder körperlicher Ebene in Kontakt treten können – warum sie eine Wirkung auf uns haben.“
Für manchen Wissenschaftler muten derartige Erklärungen vielleicht etwas esoterisch an. Was jedoch mehr in der Eindimensionalität des modernen Wissenschaftsdenkens begründet liegt als in der Tatsache an sich. Denn längst hat auch die Wissenschaft die Wirkweise der Düfte erforscht und deren Einfluß auf den Menschen in ihren Worten formuliert: Was dem einen die Seele ist, ist dem anderen das „limbische System“. Die Düftmoleküle wandern durch unsere Riechorgane auf direktem Wege ins Gehirn, ins Zentrum unserer Emotionen, und lösen eine entsprechende Reaktion aus. Das Großhirn kann das, was im limbischen System über Düfte ausgelöst wird, nicht beeinflussen. Denn das limbische System unterliegt nicht der Willenskraft. Deshalb wirken Düfte, ob wir wollen oder nicht. Wir können uns ihrer Wirkung nicht entziehen.

… und wie wir darauf reagieren.

„Die Reaktionen auf einen Duft können sehr unterschiedlich ausfallen“, so Christine Fuchs. „Was für den einen ein Hochgenuß ist, kann den anderen aus dem Raum treiben. Weshalb? Die Reaktion auf einen Duft sagt sehr viel über die eigene persönliche Struktur aus. Jeder Duft enthält eine Botschaft, eine Information … Wir reagieren ganz spontan, wenn wir einen Duft wahrnehmen. Im Grunde ist das die Sprache der Seele, unsere innere Stimme.“
Viele Menschen wünschen sich heute, diese innere Stimme wieder hören zu können und die Sprache neu zu erlernen, in welcher die Natur zu uns spricht. In unserer verstandesorientierten Welt fehlt es vor allem an wirksamen Ritualen, um uns aus der Umklammerung unserer zwanghaften Gedanken zu befreien. Wir leben im Grunde fast nur noch im Kopf. Fühlen, Spüren, Erleben, in Kontakt sein, werden immer mehr von virtuellen Scheinhandlungen ersetzt. Ununterbrochen bombardiert uns unser Gehirn mit Gedanken, interpretiert und vergleicht, läßt uns selten zur Ruhe kommen. Der Weg zu uns selbst ist der Weg zur inneren Stille. Zur Entspannung und Loslösung von der uns umgebenden lauten, hektischen und oft naturfernen Welt. Nur in der Ruhe liegt die Kraft und letztlich auch die Wahrheit. Hier setzt die Räucherkunst an. Durch das Duft-„Erleben“ wird etwas in uns stimuliert, das hinter der Welt der Gedanken liegt.
Deshalb ist die Räucherkunst vor allem in den Kulturen noch immer präsent, in denen der Weg nach innen eine besondere Rolle spielt. Während in der christlichen Tradition nur noch das Verbrennen von Weihrauch praktiziert wird, sind in den asiatischen Ländern Räucherrituale noch immer weit verbreitet.

Räuchern in der Praxis

Geräuchert wird in 3 Dimensionen:
1. Um Räume zu reinigen und zu desinfizieren.
2. Für das eigene Wohlbefinden: wie z.B. zur Beruhigung und Entspannung, oder zur Anregung und Vitalisierung
3. Für Rituale und Zeremonien.

„Wobei es“, so Christine Fuchs, „vor allem auf die Qualität des Räucherwerks ankommt. Alles sollte so naturbelassen als möglich sein. Es gibt keinen Grund, beispielsweise Harze einzufärben oder synthetische Parfümierung hinzuzufügen. Kräuter, Hölzer und Harze, die sich zum Räuchern eignen, haben einen so hohen Gehalt an ätherischen Ölen, daß darauf unbedingt verzichtet werden sollte. Räuchern hat mit Natur, mit Ursprünglichkeit zu tun. Deshalb sollten Räucherstoffe auch genau so belassen werden – natürlich!“

Durch Vorträge und Räucherseminare gibt Christine Fuchs ihr Wissen um die Räucherkunst weiter. Vor allem die heimischen Pflanzen möchte sie wieder ins Gesichtsfeld der Menschen rücken. Denn das, was uns umgibt, umgibt uns nicht zufällig. Alles, was die Natur hervorbringt, hat uns etwas zu sagen. Es spricht zu uns, zu unserem Körper, zu unserer Seele und zu unserem Geist. Und es ist an uns, diese Sprache wieder verstehen zu lernen. Denn wer könnte uns mehr über das Leben sagen als die unermeßliche Weisheit der Natur?

Weitere Informationen: www.labdanum.de

Räucherseminare vor Ort

Am Mittwoch den 12.10.2011 und am Freitag, den 28.10.2011 finden zwei Räucherseminare
mit Christine Fuchs in Wüstenrot statt.

Beginn:           18.00 Uhr
Kosten:           58.-
Ort:                 Verlag für Natur & Mensch
                        Im Gogelsfeld 11
                        71543 Wüstenrot
Anmeldung:    mh@naturscheck.de oder 07945-943969



 

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