DIE KNAPPE RESSOURCE SAND - Warum es 2100 keine Strände mehr geben wird

3. September 2018

Mit Sand verbinden die meisten Menschen unendliche Wüsten oder kilometerlange weiße Strände. Wenn man sich jedoch im Alltag umschaut, steckt Sand tatsächlich in allen möglichen Gegenstände: in Zahnpasta, Elektrochips, Glas oder Solarzellen. Am meisten wird er aber von der Bauindustrie benötigt, um Beton herzustellen. Sein Abbau wird immer aufwendiger und umweltschädlicher.

 

Der Sand wird knapp
 
Die Bauindustrie ist der größte Sandverbraucher: 2/3 der Bauwerke sind aus Beton, welcher wiederum zu 2/3 aus Sand besteht. Für ein durchschnittliches Familienhaus werden 200 Tonnen Sand, für einen Kilometer Autobahn unvorstellbare 30.000 Tonnen Sand benötigt!

Die Nachfrage nach den kleinen Körnchen ist in den letzten 30 Jahren um 360 % gestiegen und sie wird – angetrieben vom Bevölkerungswachstum und zunehmender Verstädterung – weiterhin wachsen. Die Wirtschaftsentwicklung der ganzen Welt hängt vom Sand ab – ein Spielmaterial, das Kinder bereits in Krabbeltagen zu schätzen lernen.
 
Sand ist nicht gleich Sand
 
Sandkörner werden von Geologen nach der Größe definiert. Sind die Körnchen zwischen 0,0625 und 2,0 Millimeter groß, werden sie als Sand bezeichnet. Für die Bauindustrie ist jedoch vor allem die Beschaffenheit der Ressource entscheidend.

Für die Herstellung von Beton kann nur Meeressand verwendet werden. Wüstensandkörner sind vom Wind zu rund geschliffen, als daß sich der Zement anhaften könnte. Die hohe Nachfrage nach Sand gilt somit vor allem dem Meeressand.

Die für die Bauindustrie geeigneten Sandvorkommen sind also relativ klein. Zudem ist der Entstehungsprozeß von Meeressand äußerst langwierig: Er beginnt hoch oben in den Gebirgen durch die Abtragung von Gesteinen. Bis der Sand schließlich das Meer erreicht, vergehen 100 bis 1000 Jahre.
 
Der Preis des Sandabbaus: Sandmafia und Landverlust
 
Die Schattenwirtschaft hat längst erkannt, daß Sand das neue Gold ist und macht mit den kleinen Körnchen ordentlich Geld. Eine „Sandmafia“ klaut in vielen Teilen der Erde den Sand von Küsten und vom Meeresboden und riskiert dabei Menschenleben. In Indien ist die Sandmafia die größte kriminelle Vereinigung des Landes. Einheimische tauchen teils ohne Ausrüstung in 15m Tiefe, um Sand mit einem Metalleimer vom Meeresbogen abzutragen. Und auch die Umwelt leidet unter dem massiven Sandabbau.  
 
Durch den Abbau von Sand auf dem Meeresgrund und direkt an Stränden verschwinden Strände und komplette Inseln. Zum einen wird so der Lebensraum unzähliger Meerestiere zerstört, zum anderen werden beim massiven Ausbaggern des Meeresbodens Korallenriffe vernichtet und Kleinlebewesen angesaugt. Dadurch wird die Nahrungskette unterbrochen und Tiere vom Plankton bis zu den Walen sind gefährdet. Außerdem ist die Landwirtschaft in Gefahr, da durch den Verlust der natürlichen Sandbarriere Salzwasser in den Boden sickert.
 
Sandrecycling, Sand-Alternativen und Sparmaßnahmen
 
Studien gehen davon aus, daß es schon im Jahr 2100 keine Strände mehr geben wird, wenn wir die Sandressourcen der Erde weiterhin so plündern. Wir müssen uns der Sandknappheit bewußt sein, unsere Lebensweise ändern und an Alternativen forschen.

Das Recycling von Rohstoffen ist eine erfolgsversprechende Alternative: Zum Beispiel das Recyceln von Glas. Glas besteht zum größten Teil aus Sand. Wird Glas zerkleinert, haben die kleinen Partikel ähnliche Eigenschaften wie der ursprüngliche Sand und können bei der Herstellung von Beton eingesetzt werden.

Professor Dirk Hebel von der Universität Karlsruhe ist Experte für nachhaltiges Bauen und plädiert für Ressourcenkreisläufe und alternative Baumaterialien. Er ist überzeugt, daß wir nicht nur Glas, sondern ganze Betonbauwerke wiederverwerten können. Von den Glasabfällen in Deutschland werden derzeit nur ca. 30 % sinnvoll recycelt. Aus dem Rest könnte Material gewonnen werden, das sich zur Herstellung von Beton eignet. Und selbst im Bauschutt schlummert noch Potential: In Deutschland entstehen alljährlich ca. 50 Millionen Tonnen Bauschutt, die zu 80 % recycelbar wären. Eine gewaltige Ressource!

Andere Forscher beschäftigen sich mit der Idee, Sand in Betongemischen mit einer Alternative zu substituieren. So auch das Team der Stanford und Brown Universität in den USA mit ihrem Projekt REGObrick: Es forscht an einer Methode, neue Werkstoffe mit Hilfe von Bakterien zu züchten, die den Sand im Beton ersetzen könnten.  
 
Jede Veränderung beginnt bei uns selbst
 
Neben alternativen Baumethoden können auch wir als Verbraucher unseren Umgang mit diesem unerkannten Helden überdenken und anpassen. Zum einen sollten wir die Gebrauchsdauer von Produkten maximal ausnutzen und beim Kauf „neuer“ Gegenstände Gebrauchtwaren wählen. So wird weniger produziert und Sand eingespart.
Ferner sollte der Individualverkehr eingeschränkt werden, da hierdurch weniger Straßen gebaut und saniert werden müssen. Außerdem werden Autos mit Erdöl angetrieben, welches wiederum beim Fracking mithilfe von Sand abgebaut wird.

Energiesparmaßnahmen sparen nicht nur Energie, sondern auch Sand ein, da weniger Kraftwerke und Staudämme gebaut werden müssen, die aus Beton und somit Sand bestehen.

Und dann könnten wir uns fragen, wieviel Platz wir zum Leben benötigen. Laut Umwelt Bundesamt nahm die Wohnfläche pro Einwohner in Deutschland in den letzten Jahren zu: Während im Jahr 2000 ein Deutscher durchschnittlich 39,5 m² nutzte, lag diese Fläche 2014 bereits bei 46,5 m².

Und beim Hauserwerb ist die Sanierung eines Altbaus definitiv umweltfreundlicher, als ein neues Haus zu bauen.
 

Autorin:
Maike Radermacher

 

Filmtipp:
Der Dokumentarfilm „Sand - Die neue Umweltzeitbombe“ von Denis Delestrac ist kostenlos auf Youtube zu sehen 

https://www.youtube.com/watch?v=5z-aTwp29DI

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