Die Entdeckung der Seele - Kennen Sie Professor Gustav Jäger?

5. Dezember 2011

Kennen Sie Professor Dr. Gustav Jäger? Nein? Das ist geradezu ein Skandal! Denn kaum ein anderer Naturforscher war seiner Zeit so weit voraus wie dieser schwäbische Universalgelehrte. Ihm haben wir unzählige Erkenntnisse zu verdanken zu Themen wie Gesundheitspflege, Heilkunst, die Wirkung menschlicher Düfte, die Funktionsweise der Homöopathie, etc. Und bei kaum einem Forscher wurde mehr „abgekupfert“ als bei ihm. Sowohl von anderen Wissenschaftlern als auch von namhaften Bestsellerautoren. Dem verkannten Genie aus Bürg am Kocher widmet NATURSCHECK eine ganze Artikelserie, da seine Lebensleistung Bibliotheken füllt…



Das verkannte Genie Gustav Jäger

 Woran liegt es, daß manche Wissenschaftler hochgelobt und mit Preisen dekoriert werden, während anderen – mit bisweilen weit höherem Potential – ein Leben lang die Anerkennung versagt bleibt? Am Beispiel des Naturforschers, Arztes, Zoologen, Schriftstellers, Philosophen, erfolgreichen Unternehmers und genialen Vordenkers Gustav Jäger möchten wir dieser Frage auf die Spur gehen. Wobei man hier vorausschicken muß, daß Gustav Jäger kein gewöhnlicher Mann war, sondern sowohl sein Leben als auch sein mysteriöser Tod genügend Stoff für Romane bietet, und uns auch sein Vermächtnis immer wieder neue Rätsel aufgibt.

Doch beginnen wir am Anfang der Geschichte, im Jahre 1832, als Gustav Jäger im beschaulichen Örtchen Bürg am Kocher das Licht der Welt erblickte. Sein Vater Karl Friedrich Jäger war  evangelischer Gemeindepfarrer und Protegé des damaligen Rittergutsbesitzer Freiherr von Gemmingen-Hornberg. Zudem schrieb er Bücher über die schwäbische Kulturgeschichte. Wie sehr die Schriftstellerei im Wesen der Jägers verankert war, zeigt die Tatsache, daß Gustav später mit seiner Frau Selma (geb. Krais) eine Nachkommin der schwäbischen Geistesmutter Regina Burkhard-Bardili heiratete. Von ihr stammen viele schwäbische Dichter und Philosophen ab, wie z.B. Ludwig Uhland (1787-1862), Friedrich Hölderlin (1770-1843) und Eduard Mörike (1804-1875).

Bedingt durch den frühen Tod des Vaters (1842), lernte Gustav Jäger bereits in jungen Jahren den Ernst des Lebens kennen. Für seine verwitwete Mutter war es schwer, die mehrköpfige Familie durchzubringen. Doch obwohl Gustav Jäger in der Folge oft „von der Hand in den Mund“ leben mußte, gelang es ihm, in Tübingen einen Studienplatz zu ergattern. Er studierte Medizin und Naturwissenschaften und promovierte schließlich als Dr. med.

Neben dem Studium befaßte er sich intensiv mit der Skelettierung und Präparierung von Tierkörpern. Schon der Student Gustav Jäger machte sich so einen Namen als Experte dieser neuen Wissenschaftskunst. Da seine wechselnden Studentenbuden jedoch sowohl Labor als auch Kleintierzoo waren, führte dies regelmäßig zu Konflikten mit den jeweiligen Vermietern.

Nach dem Studium folgte er seinem Bruder nach Wien und wurde 1856 zum Hofmeister berufen. Zwei Jahre später habilitierte er sich für Zoologie und vergleichende Anatomie an der Wiener Universität. Er war Mitbegründer und bis 1866 sogar Direktor des renommierten Wiener Tiergartens, wo er auch das erste Seewasseraquarium anlegte. Sein Ruf als Tierexperte brachte ihn in Kontakt mit den vielen Größen seiner Zeit. Unter anderem ist ein reger Briefwechsel mit dem Evolutionstheoretiker Charles Darwin dokumentiert.

Die damaligen Querelen zwischen Österreich und Preußen sorgten dafür, daß Gustav Jäger schließlich 1867 Österreich verließ und in seine schwäbische Heimat zurückkehrte. Dort wurde er zum Professor für Zoologie und Anthropologie an der Akademie zu Hohenheim und am Polytechnikum Stuttgart berufen. Ab 1874 war er Professor für Physiologie, Histologie und Mikroskopisches Praktikum an der Stuttgarter Tierarzneischule. Bis zu seinem Lebensende sollte Stuttgart sein Hauptwohnsitz  bleiben. Seine Wochenendvilla stand in Murrhardt, wo er 1912 zum Ehrenbürger ernannt wurde.

Der Schriftsteller und Forscher

Neben dem Lehr- und Professorenberuf war Gustav Jäger vor allem Forscher. Zudem war er so etwas wie ein Universalgenie. Kaum ein Wissensbereich, für den er sich nicht interessierte. Sein messerscharfer Verstand, die schwäbische Rastlosigkeit und seine kindliche Neugier ließen ihn vordringen in Gebiete, die durch die wissenschaftlichen Dogmen seiner Zeit als unbegehbar klassifiziert waren. Dadurch machte er sich viele Feinde. Diese Tatsache ist sicherlich einer der Hauptgründe, warum er nicht als Nobelpreisträger in die Geschichte einging, sondern als wissenschaftliche „Persona Non Grata“. Viele seiner einzigartigen, bahnbrechenden und genialen Erkenntnisse wurden bekämpft oder einfach totgeschwiegen.
Daß man sich Jahre später seiner Schriften wieder erinnerte und namhafte Wissenschaftler diese als „eigene Erkenntnisse“ neu veröffentlichten, paßt in das Gesamtbild des verkannten Genies Gustav Jäger. Doch dazu kommen wir später.
Eines seiner bedeutendsten Werke ist sicher die 850seitige Schrift: „Die Entdeckung der Seele“. Als einer der ersten hat Gustav Jäger erkannt, daß jeder Mensch einen einzigartigen und unverwechselbaren Individualduft besitzt. Er sah in diesem Individualduft eine Art seelischen Fingerabdruck, und in den Düften selbst eine Sprache, in der wir Menschen unbewußt kommunizieren. Immer mehr wuchs in ihm die Überzeugung, daß sowohl die Homöopathie als auch viele andere bisher ungeklärte Heilphänomene über spezifische, hochpotenzierte Düfte „funktionieren“.
Für die Wirksamkeit der Homöopathie erbrachte er – als erster nach Samuel Hahnemann – den wissenschaftlichen Beweis. In seinem Buch „Die Neuralanalyse“ beschreibt er seine Forschungsergebnisse mit dem sogenannten Chronoskop. Er ließ Probanden homöopathische Hochpotenzen einatmen, um die Reaktionszeit deren Nerven zu messen. Und siehe da, die Veränderungen waren durchweg signifikant. Was Gustav Jägers Beliebtheit unter den etablierten Wissenschaftlern einen weiteren Knacks versetzte, hatte man ihn doch beauftragt, die Wirkungslosigkeit der Homöopathie zu beweisen. Und dann das… Wohin sein Fuß zukünftig auch trat, er ließ kein Fettnäpfchen aus.

Spießrutenlauf

Politikern wirft man bisweilen vor, sie hätten ein so dickes Fell, daß sie kein Rückgrat benötigen, um nicht umzukippen. Ergo, das Fähnlein dreht sich nach dem Wind. Was Gustav Jäger angeht, so war er sicher kein Politiker. Dazu war er viel zu wahrheitsliebend. Sein schwäbischer Dickschädel ließ Kompromisse nicht zu, und er stand zeitlebens für seine Überzeugung ein. Sein Buch „Die Entdeckung der Seele“ brachte ihm viel Spott und den ironischen Beinamen „Jäger, der Seelenriecher“ ein. Man sprach ihm gar die Wissenschaftlichkeit ab. Erst als 25 Jahre nach seiner Veröffentlichung die Polizeihunde eingeführt wurden und es immer offensichtlicher wurde, daß tatsächlich jeder Menschen einen einzigartigen Individualduft besitzt, wendete sich das Blatt. Rehabilitiert wurde er jedoch nicht.
Es ist schon erstaunlich, daß bis zum heutigen Tage immer wieder „neue Erkenntnisse“ publiziert werden, auf die Jäger schon vor 100 Jahren hingewiesen hat. Ein Beispiel sind Bücher wie „Das Maiglöckchen-Phänomen: Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt“, von Hanns Hatt, dessen Kernaussage die jägersche Erklärung ist, daß selbst Spermien und Eizellen Riechorgane besitzen und von spezifischen Düften angezogen werden. Oder Bücher über Gefühle, die durch individuelle Düfte auf andere Personen übertragen werden, etc. Selbst die sogenannte „Lehre von der Wirkung der Düfte“ hat ein anderer Wissenschaftler später als seine eigene Erkenntnis veröffentlicht. Obwohl diese zweifelfrei Gustav Jäger zuzuschreiben ist.

Düfte

Die Duftforschung ist inzwischen dabei, Gustav Jägers Thesen posthum zu bestätigen. „Ja, Herr Doktor Jäger, Sie hatten Recht. Unsere Nase ist es, und im unbewußten Bereich das sogenannte limbische System, dem wir einen Großteil unserer Lebensentscheidungen zu verdanken haben.“ Längst macht sich auch die Industrie dieses Phänomen zunutze und beduftet alles, was wir kaufen sollen. Inwieweit der Mensch noch einen freien Willen hat, wenn er diesen Duftmanipulatoren ausgesetzt ist, darüber läßt sich sicher streiten. Fakt ist, Düfte sind sowohl die unsichtbare Sprache der Natur, in welcher sich Tiere und Pflanzen unterhalten, als auch für uns Menschen, wenn wir auf Partnersuche sind. Ob Düfte darüber hinaus als Informationsträger bei der Homöopathie fungieren, diese Frage ist noch nicht ganz geklärt. Zumindest für alle jene nicht, die Gustav Jägers Bücher noch nicht gelesen haben.
Was das Thema Homöopathie angeht, müssen wir hier ein neues Kapitel öffnen und eine zweite Geschichte hinzufügen, die „ganz zufällig“ dazu führte, das beinahe verlorengegangene Vermächtnis des Professor Dr. Gustav Jäger wieder an die Oberfläche zu bringen. Nämlich die Geschichte seiner Ur-Ur-Enkelin Selma Gienger aus Illingen-Schützingen. Selma Gienger, selbst ausgebildete Homöopathin, fand eines Tages im Antiquariat Bücher ihres Urahnen und stellte überrascht fest, daß dieser bereits vor einhundert Jahren bahnbrechende Homöopathie-Erkenntnisse niedergeschrieben hatte. Eine Reihe schicksalhafter Ereignisse brachte sie in Kontakt mit immer neuen Dokumenten, deren Inhalt sie derart faszinierten, daß sie beschloß, ihr weiteres Leben „der Sache Gustav Jäger“ zu widmen. Was sie seither tut. Nicht weniger als 43 Bücher hat sie schon gefunden.
2002 veröffentlichte sie unter dem Titel: „Warum küssen sich die Menschen?“ drei Schriften Gustav Jägers: „Notschrei eines mißhandelten Naturgesetzes“, „Die homöopathische Verdünnung“ und „Die Homöopathie“. Dieses Buch ist ein Muß für alle Homöopathen und auch für alle gesundheitsbewußten „Laien“ verständlich.

Die Anthropine

Wer nun glaubt, ein Gustav Jäger hätte sich mit der Tatsache zufriedengegeben, das Wesen der Homöopathie verstanden und deren Wirksamkeit bewiesen zu haben, der irrt sich. Für ihn stellte sich die Frage, ob man die Homöopathie nicht noch weiter verbessern konnte. Als Kombination aus der homöopathischen Ähnlichkeitslehre und seiner Erkenntnis des Informationsträgers Individualduft, entwickelte er eine ganz neue Form homöopathischer Heilmittel, seine sogenannten Anthropine.
Da er festgestellt hatte, daß im Individualduft eines jeden Menschen nicht nur dessen spezifischer Geruch, sondern auch Informationen bezüglich seiner Stärken, seiner Vorzüge und besonderen Fähigkeiten gespeichert sind, stellte er aus dem Individualduft besonders befähigter Menschen Anthropinkügelchen her. Insgesamt waren es zu seinen Lebzeiten 23 verschiedene Anthropine, die in schwäbischen Apotheken erhältlich waren.
Unter anderem das Anthropin eines der größten Sportler seiner Zeit, der „mit Pferden um die Wette lief“, und des begnadeten Pianisten Franz Liszt. Aus dessen Haaren wurde das  begehrte Anthropin Nr. 16 hergestellt. Auf dem Beipackzettel stand: „Mittel gegen Nervosität und Indisposition beim Klavierspiel; erhöht die Fingerfertigkeit, Sicherheit und Ausdauer beim Spiel.“
Die Anthropine sollen wahre Wunder gewirkt haben. Trägerstoff waren die Haare, genauer gesagt der Haarduft, da Haare Düfte besonders gut speichern. Der Begriff „Anthropin“ kommt übrigens aus dem Griechischen von: Anthropos, der Mensch. Um die Selbstheilungskräfte des Einzelnen zu aktivieren, stellte Gustav Jäger zudem homöopathische Anthropinkügelchen aus Eigenhaar her. Denn laut Gustav Jäger ist das Anthropin der „Selbstheilungsstoff“ des Menschen.
Anthropine, Selbstheilungsstoffe, Individualdüfte… Mannomann, dieser Jäger hatte vielleicht Ideen. An dieser Stelle beginnt nun eine dritte, wieder äußerst spektakuläre Geschichte, mit der wir den ersten Teil der Jäger-Saga abschließen möchten. Diese Geschichte hat etwas mit dem Bestsellerroman „Das Parfum“ von Patrick Süskind zutun, immerhin über 20 Millionen Mal verkauft und erfolgreich verfilmt.
Über die magischen Kräfte der Anthropine, über Gustav Jäger als sogenannten „Wolljäger“, wie er Anfang des 20. Jahrhunderts genannt wurde, oder darüber, daß er sich intensiv mit den Thema „gesunde Bekleidung“ befaßt hat, um in der Folge – da ihm hierzulande niemand Gehör schenkte – in England die Bekleidungsfirma JAEGER  zu gründen, die ihm nach dem ersten Weltkrieg aufgrund des Vertrags von Versailles zwar aberkannt wurde,  inzwischen jedoch Hunderte von Filialen auf der ganzen Welt besitzt, ja, über all das berichten wir beim nächsten Mal. Um den aus Neuenstadt-Bürg stammenden Gustav Jäger ins rechte Licht zu rücken, genügt es zu erzählen, daß auch der Verfasser eines der erfolgreichsten deutschen Romane aller Zeiten sich an Jägers Schriften bediente: Patrick Süskind.

Gustav Jäger und das Jungfrauen-Anthropin

Was diesen Teil der Geschichte angeht, wollen wir uns kurz fassen. Vor einigen Jahren haben verschiedene andere Medien bereits ausführlicher darüber berichtet. In Patrick Süskinds Erfolgsroman „Das Parfum“ hat Jäger-Ur-Ur-Enkelin Selma Gienger unzählige textliche Übereinstimmungen mit Gustav Jägers Werk „Die Entdeckung der Seele“ gefunden. So viele, daß es sich kaum um Zufall handeln kann.
Die Grundidee Patrick Süskinds beruht ja auf dem jägerschen Gedanken, daß jeder Mensch einen Individualduft besitzt, der ihn liebenswert macht oder eben auch abstoßend, ganz nach seiner Art. Süskinds Romanfigur „Grenouille“ jedoch hat keinen individuellen Duft. Folgerichtig wird er weder geliebt noch gehaßt, sondern lebt wie ein Schatten unter den Menschen. So mutiert er zum Serienmörder, tötet eine Jungfrau nach der anderen, entzieht ihr den jeweiligen Individualduft, um aus diesen Extrakten ein Parfum herzustellen, das ihn – wenn er sich damit parfümiert – liebenswert macht. Sein „Jungfrauenduft“ ist so unwiderstehlich, daß ihn die Menschen schließlich nicht nur begehrenswert finden, sondern bei lebendigem Leibe auffressen. Soweit Süskinds Novelle „Das Parfum“.
Der Jungfrauenduft bzw. das Jungfrauenanthropin Nr. 7 gehörte zu Gustav Jägers Anthropin-Grundausstattung. Es wurde aus dem Haarduft einer „jungen Frau“ hergestellt und hatte „eine aufheiternde, belebende Wirkung“ vor allem auf ältere Männer.
Da sich Patrick Süskind, trotz vielerlei Versuche der Jäger-Erbin, nicht bereiterklärt hat, die Quelle seiner „literarischen Inspiration“ preiszugeben, wollen auch wir uns hier weitere Spekulationen ersparen. Das ist auch gar nicht nötig. Gustav Jägers Werk spricht für sich. Es ist so weit und so visionär, daß wir uns sicher noch ein paar Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte damit befassen werden. Unter anderem in der nächsten NATURSCHECK Ausgabe.

Informationen und Literatur

Weitere Informationen zu Professor Dr. med. Gustav Jäger erhalten Sie beim Verlag für Natur & Mensch (Naturscheck Magazin).
Das Buch „Warum küssen sich die Menschen?“ ist zum Preis von 49,90 Euro bei uns erhältlich.
Das 850seitige Hauptwerk „Die Entdeckung der Seele“ als CD zum Preis von 11,95 Euro. Jeweils zzgl. Versandkosten.

2012 finden regelmäßige Informationsveranstaltungen zum Thema Gustav Jäger statt. Informationen und Termine beim Verlag für Natur & Mensch. 07945-943969, mh@naturscheck.de.


Weitere Informationen
Selma Gienger:  www.anthropine.de  

Dezember 2011 - Autor Michael Hoppe

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