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19. Januar 2012
Der Bestsellerautor Eckhart Tolle wurde kürzlich bei einem Interview auf das schicksalhafte Jahr 2012 angesprochen. Werden wir 2012 Katastrophen ungeahnten Ausmaßes erleben, vielleicht gar den Weltuntergang? Werden wir alle sterben? Tolle antwortete: „Ja, ich bin sicher, daß alle Menschen, die heute leben, von der Erdoberfläche verschwinden werden. Alle werden sterben…“ Und dann fügte er nach einer Pause hinzu: „Spätestens in 80 oder 90 Jahren.“
In dieser nicht ganz ernstgemeinten Antwort steckt viel mehr, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Was auch immer für 2012 befürchtet wird, wird irgendwann sowieso kommen. Das Erdenleben ist endlich. Zwischen Geburt und Tod liegt nur eine Spanne Zeit, mehr nicht. Wäre es da nicht sinnvoller, etwas aus dem eigenen Leben zu machen, als immer nach einem vorzeitigen Ende oder gar der Apokalypse Ausschau zu halten?
Das Warten auf das Ende hat bei den Menschen Tradition. Schon im frühen Christentum waren allerlei potentielle Untergangsdaten im Umlauf. Im Jahr 999, beispielsweise, stellte man das Säen auf den Feldern ein, da im Jahr 1000 dieses Ende kommen sollte. Was eine große Hungersnot zur Folge hatte, an der dann tatsächlich viele Menschen starben. Unzählige Endzeitprediger haben danach in regelmäßigen Abständen das kollektive Ende heraufbeschworen. Manchmal erweckt es den Eindruck, daß es viele Menschen gar nicht erwarten können, endlich von diesem ach so schweren Leben erlöst zu werden.
Ich gebe zu, an dunklen Tagen habe ich mich bei ähnlichen Gedanken ertappt. Immer mal wieder. Inzwischen hoffe ich, daß es noch ein Weilchen weitergeht. Nicht, weil ich den vielen Apokalyptikern ihren Glücksmoment nicht gönne, wenn sie mit ihren Weltuntergangprognosen tatsächlich einmal ins Schwarze treffen. Auch nicht, weil ich das Erdenleben als Maß aller Dinge ansehe. Vielmehr schaue ich mich um und sehe unzählige sehnsuchtsvolle Menschen. Menschen, die auf dieser Erde sind mit der Überzeugung, hier etwas lernen zu können für ihr weiteres Dasein. Menschen, die die begrenzte Zeit nutzen möchten, um sich weiterzuentwickeln und anderen Menschen bei deren Entwicklungsbemühungen zu helfen. Menschen, die mehr in diesem Erdenleben sehen als ein schicksalhaftes Warten auf das Ende. Menschen, die leben möchten.
Von diesen Menschen habe ich eines gelernt: Wer wartet, lebt nicht. Auf etwas zu warten, erweckt die Illusion in uns, daß alles ganz anders sein sollte, als es ist. Daß unser Leben unvollkommen, sinnlos und dadurch nicht lebenswert ist. Es also ein baldiges Ende verdient hat! Stimmt das wirklich? Was wäre, wenn wir diese Illusion einfach aufgeben und aus 2012 ein großes Fest machen? Wenn wir jetzt in diesem Augenblick damit anfangen? Wenn wir statt des Wartens auf die Apokalypse eine neue Zeit einleiten, eine Zeit der Lebensfreude und Leichtigkeit, eine Periode lachender, lebensbejahender Menschen? Wäre das so schlimm? So sehr gegen unsere pessimistisch-apokalyptische Gewohnheit?
Für mich jedenfalls nicht. Ich habe mich so lange mit dem Ende beschäftigt, das mir nun die Lust darauf vergangen ist. Schluß mit Apokalypse, gelebt wird ab jetzt! Irgendwann kommt das Ende sowieso, für jeden von uns. Also halte ich es nun mit dem alten Luther, der einst sagte: „Selbst wenn ich wüßte, daß morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Oder ein Fest feiern. Oder lachen. Oder leben. Daher: ein Hoch auf 2012 und 2013 und 2014... und alles, was noch kommt!
Autor - Michael Hoppe
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