ARTGERECHT LEBEN – Interview mit dem Wildpflanzenexperten Dr. Markus Strauß


 

Pflanzen und Landschaften begeisterten Markus Strauß schon von Kindesbeinen an. In Heidelberg studierte er Geografie, Geologie sowie Biologie. Nach dem Studium führten ihn Forschungsprojekte nach Südamerika in die Anden, zum Himalaya (Nepal) und nach Indonesien. Bekannt wurde er durch Selbstversorger-Bücher über eßbare Wildpflanzen oder „Die Wald-Apotheke“. Mit seinem neuen Buch ARTGERECHT prognostiziert Markus Strauß dem Homo Sapiens eine paradiesische Zukunft – wenn wir endlich zu einem natürlichen Dasein zurückkehren.


Lieber Herr Dr. Strauß, derzeit gehen viele apokalyptische Zukunftsvisionen durch die Medien. Gentechnik, Künstliche Intelligenz, Klimakatastrophe, Wirtschaftskriege, Zerfall der Gesellschaft, etc. Auf dem Cover Ihres neuen Buches steht: „Es ist 5 vor Paradies!“ Woher nehmen Sie angesichts der prekären Weltlage eine solche Zuversicht?

Dr. Markus Strauß: (lacht) Darauf bin ich schon öfter angesprochen worden. Ich bin der Überzeugung, daß die notwendigen Lösungen sehr einfach sind, weil sie der Natur entsprechen. Ich habe es deshalb in dem Buch „ARTGERECHT – 13 Thesen zur Zukunft des Homo Sapiens“ nicht bei der Problemanalyse belassen, sondern nach jedem Kapitel angeführt, was jeder Einzelne sofort tun kann und was wir als Gesamtgesellschaft tun könnten – oder müßten! Von der Politik angefangen, bis zu allen anderen Lebensbereichen.

Das fängt bei so einfachen Dingen wie dem Wassertrinken an, dem ja auch ein Kapitel gewidmet ist (Rein & lebendig statt verunreinigt & tot). Was im Gegensatz steht zum nicht artgerechten Trinken von irgendwelchen „Zuckerbrühen“. Es sind manchmal ganz erstaunlich einfache Lösungen – und die Summe dieser einfachen Lösungen bewirkt dann einen energetischen Zuwachs, der uns das Paradies auf Erden möglich macht.

Zudem möchte ich mit meinem ganzen Tun die Menschen nicht schwächen, indem ich über die vielen unschönen Seiten des Lebens berichte. Denn wenn man sich hineinfallen läßt in die Erschlaffung und in die Tristesse, oder gar in die Depression bishin zum Burnout – was bringt das?

Egal was in der Welt geschieht, mir gibt die Natur immer wieder Trost und richtet mich auch wieder auf. Und daran orientiere ich mich, damit ich in meiner Kraft bleibe. Und wenn ich nicht in meiner Kraft bin, dann kann ich auch nichts verändern.


Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Wenn man sich anschaut, wie aggressiv und ideologisch viele Diskussionen heute geführt werden – die Natur ist immer neutral und spiegelt uns die wahren Gesetzmäßigkeiten, nämlich daß man nur das ernten kann, was man auch sät. Ihr Buch ARTGERECHT hat mich begeistert, weil es die Geschehen in einem größeren Zusammenhang zeigt. Viele der präsentierten Lösungen sind schon seit vielen Jahren bekannt. Und doch werden sie vor allem von den politischen Entscheidungsträgern nicht umgesetzt. Warum ist das so?


Dr. Markus Strauß:
Ich denke, wir befinden uns als Gesamtgesellschaft in einem Prozeß, wo wir quasi aus der „Kinderwelt“ langsam aufwachen. Wir sind in einer Art pubertärem Zwischenstadium kurz vor dem Erwachsenwerden. Da ist man dann oft enttäuscht, wenn man erkennt, daß es die heile Welt nicht gibt.

Was die Politik angeht, da sehen wir nun: der Kaiser ist nackt.
In der Kinderwelt glaubt man noch, daß alles gut ist und daß fürsorgliche Menschen alles für einen regeln und richten – sogenannte Vater- und Mutterfiguren. Wir sagen ja auch „Vater Staat“ für die Repräsentanten des künstlichen Systems, das wir uns aufgebaut haben. Auch viele Firmenchefs sind noch typische Vaterfiguren.

Aus dieser Kinderwelt werden wir nun hinausgeworfen und müssen feststellen, daß es noch eine andere Realität gibt. Z.B. daß Kriege geführt werden, obwohl es das Volk gar nicht will. Daß Äcker mit Glyphosat besprüht werden, obwohl laut Umfragen 80-90 % der Menschen dagegen sind. Man könnte noch zahllose andere Beispiele anführen. Auch den Euro wollte das Volk damals nicht, und auch nicht die völkerrechtswidrigen Kriege, die wir heute führen. Ich habe ja einiges davon in meinem Buch angesprochen.

Wir dachten lange, wir hätten eine pure Demokratie und erkennen heute, daß dem nicht so ist. Es wird von außen sehr viel Einfluß ausgeübt, Lobbyismus etc. Und dann haben wir noch ein Geldsystem, vom dem die Wenigsten wissen, wie es funktioniert. Auch diesem Thema habe ich ein ganzes Kapitel gewidmet. Das Geld regiert die künstliche Welt - dem gegenüber steht die Mutter Natur, die ganz anderen Gesetzmäßigkeiten folgt.


Ist der Begriff Materialismus nicht von der „Mater“, also der Mutter abgeleitet? Aus biblischer Sicht ist es doch die Frau, die den Mann dazu brachte, Schätze anzuhäufen …


Dr. Markus Strauß:
Ich denke, er leitet sich von der Materie ab. Aber ich bin kein Etymologe. Wir folgen ja seit langem einem materialistischen Weltbild, in welchem Natur- und Geisteswissenschaften voneinander getrennt sind. In der Renaissance wurde in Italien das moderne Geld erfunden, wie wir es heute kennen – das Schuldgeld. Spätestens durch die völlige Deregulierung seit Reagan und Thatcher begann dann das, was wir heute erleben: das unglaubliche Aufblähen der Geldmenge. Das ist ja noch eine relativ junge Sache, die in den Achtzigern des letzten Jahrhunderts, dann um die Jahrtausendwende und dann natürlich 2008 mit der Finanzkrise immer neue Dimensionen annahm. Und heute haben wir den Salat. (lacht)


Ein Wirtschaftshistoriker schrieb kürzlich, daß die Römer bzw. die Italiener die beiden erfolgreichsten Wirtschaftsunternehmen der Welt gegründet hätten: die Kirche und die Banken. Beide funktionieren in etwa nach demselben Prinzip. Beide verkaufen das Seelenheil (Credo/Kredit), haben in jedem Ort eine Filiale, nehmen uns den Eid oder – im schlimmsten Falle – den Offenbarungseid ab und erschaffen Werte aus dem Nichts …


Dr. Markus Strauß:
(lacht) Ja, und beide gehen immer Hand in Hand. Um die Menschen davon zu überzeugen, gegen die eigenen persönlichen Interessen zu handeln, braucht es immer die Religion. Darum waren weltliche und geistliche Macht auch immer eine Art Zwillingspaar. In unserem Kulturkreis wurden die beiden Säulen der Macht an der Spitze vom Papst und dem Kaiser repräsentiert.
Regional herrschten deren Vertreter, ein Bischof und ein Fürst. Lokal waren der Pfarrer und der Bürgermeister oder ein Großgrundbesitzer die Autoritären vor Ort. Heute hat die Kirche ihre Position an die Wissenschaften und Medien abgegeben. Die predigen uns nun, wie wir leben sollen.

Das erinnert mich an eine Zeile aus dem Lied „Sei wachsam“ von Reinhard May: „Der Minister nahm flüsternd den Bischof beim Arm - halt du sie dumm, ich halt sie arm“. Ja, dem Thema Geld und Macht könnte man ein ganzes Buch widmen. Aber Sie haben ja bereits angedeutet, daß derzeit ein Erwachen oder ein Erwachsenwerden stattfindet. Dennoch ist zwischen theoretischem Wissen und praktischer Umsetzung oft eine große Kluft. Warum fällt es uns so schwer, etwas in unserem Leben zu verändern?

Dr. Markus Strauß:
Das fängt im Kleinen an. Wir sehen eine Tafel Schokolade und wissen, daß wir sie nicht essen sollten, aber wir essen sie trotzdem. Wir sind alle etwas bequem und träge. Daher unterschätzen wir auch unseren Einfluß auf die Gestaltung unserer Gesellschaft. Der Konsument ist sehr viel mächtiger, als er glaubt. Wenn wir bestimmte Produkte nicht mehr kaufen würden, die teilweise der Natur abgetrotzt wurden, indem der Boden vergiftet und die Luft verpestet wird, die Insekten aussterben etc., dann würden diese aus den Regalen verschwinden.

Das Wissen ist da, da ist aber auch Trägheit und Faulheit. Und irgendwelche Menschen profitieren natürlich auch von dieser Tatsache. Ob sie damit glücklich werden, ist eine andere Frage. Man muß nur einmal morgens um Sieben in eine U-Bahn steigen und in die Gesichter der Menschen blicken. Da sieht man, wie sich die Menschen in ihre Jobs quälen. Von der Reinigungskraft bis zum Manager – der natürlich ein Vielfaches verdient – sitzen alle im selben Gefängnis. Alle sind den Zwängen unserer ökonomischen Lebensweise unterworfen. Und so lange unser künstliches Geldsystem weiterläuft, wird sich daran auch nichts ändern. Wir sind alle in einer Art Spagat und mit mindestens einem Bein noch in der alten Welt.


Da fällt mir das Wort Angst ein. Oft sind es Ängste, die uns daran hindern, aus diesem Gefängnis auszubrechen. Viele unserer Ängste sind ja völlig irrational. Wenn man jedoch in einen Supermarkt geht und die übervollen Einkaufswägen sieht, scheint unserem Verhalten eine unbewußte, archaische Angst zugrundezuliegen, nämlich die Angst zu verhungern. Sie haben jahrelang als Selbstversorger gelebt. Nimmt es einem die Angst, wenn man erkennt, daß man in der Natur nicht verhungert?


Dr. Markus Strauß:
Ja, genau so ist es! Es ist wirklich eine Befreiung und ein wunderbares Gefühl, sich selbst versorgen und für sich selbst sorgen zu können. Da kommt man in Kontakt mit tief verwurzelten Kräften. Das Ganze ist natürlich ein Prozeß. Ich habe es am Anfang auch in erster Linie mit den bekannten Kulturpflanzen versucht, da mir zu dieser Zeit noch gar nicht bewußt war, welchen Stellenwert die Wildpflanzen haben und wie gut sie schmecken. So habe auch ich ganz klassisch Kartoffeln angebaut, Gemüse gepflanzt und Obstbäume geschnitten. Dann kam die bekannte Lernkurve, und ich hatte einmal ein gutes Erntejahr, dann wieder ein weniger gutes. Und es ist auch sehr viel Arbeit, von angebautem Gemüse zu leben.

Bei diesen Ernteschwankungen habe ich bemerkt, daß einige Pflanzen immer wachsen wie z.B. Brennnessel, Giersch oder Vogelmiere. So habe ich immer mehr diese Ressourcen genutzt. Und als mir dann noch klarwurde, daß die Nährwerte der Wildpflanzen sehr viel besser sind als die der Kulturpflanzen, dann fand eine Veränderung in mir statt. Wenn man einmal gelernt hat, welche Wildpflanzen eßbar sind, wie sie schmecken und wie man sie zubereiten kann – von roh bis gedünstet -, dann hat man ein riesen Repertoire mit exzellenten Lebensmitteln, die wenig Arbeit machen und uns von der Natur geschenkt werden. Und die zudem nichts kosten.


Sie waren auch fünf Jahre lang urbaner Selbstversorger in Stuttgart. Wie muß man sich ein Selbstversorgerleben in einer Großstadt vorstellen?


Dr. Markus Strauß:
Ich habe mitten in der Stadt gewohnt. Zum Wochenmarkt war es auch nicht weit. In der Stadt habe ich mich nicht zu 100 % von Wildpflanzen ernährt, das war auch nie mein Ziel. Aber ich konnte selbst in der Stadt einen hohen Grad von Selbstversorgung erreichen. Auf meinem Balkon hatte ich ein Faß mit Brunnenkresse, ich hatte Staudenfenchel, Minzen und diverse anderen Pflanzen, aus denen man Smoothies machen konnte.
Neben Carsharing habe ich die U-Bahn genommen, und in Stuttgart kann man mit dem Kurzstreckenticket bis zum Fernsehturm hochfahren. Dort konnte ich im Wald Wildpflanzen sammeln wie Brennnessel, Giersch, Knoblauchsrauke, Bärlauch, etc. An der Straße waren Lindenbäume, da konnte ich mir Blätter für den Salat holen. Im Winter ist die Auswahl natürlich geringer, aber man findet immer noch etwas wie Nelkenwurz oder Gundermann oder Brombeerblätter für grüne Smoothies.


Den Rest haben Sie dann zugekauft …

Dr. Markus Strauß:
Ja. Es ging mir nie darum, ausschließlich von Wildpflanzen zu leben. Ich bin kein Dogmatiker und möchte auch keine Wildpflanzendogmatikerschule gründen. Als Genußmensch esse ich auch einmal ein Stück Schokolade, wenn sie Bio und Fairtrade ist und 80 % Kakaoanteil hat. Ernährung ist keine Religion. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse. Ich plädiere für die Re-Integration der eßbaren Wildpflanzen in unsere heutige Alltagskultur. Wir haben 2,7 Millionen Jahre von Wildpflanzen gelebt, haben es dann eine Zeitlang verlernt, und heute sollten wir es schleunigst wieder einführen.

Wenn wir nur jeden Tag etwas Wildes essen, und wenn es nur ein Smoothie ist oder wir etwas in den Salat hineinschneiden, oder man macht ein Wildgemüse oder einen Aufstrich oder ein Pesto, dann hat man schon einen enormen Zuwachs an Vitaminen, Vitalstoffen, Mineralien und Spurenelementen. Und wenn man dann noch sauberes Wasser dazu trinkt und sich regelmäßig bewegt, dann reaktiviert man seine Selbstheilungskräfte. Und man spürt, daß es mit einem selbst wieder aufwärts geht.

Die Natur schenkt uns so viele Möglichkeiten. Wenn ich diese „wilden Sachen“ wieder in meine Ernährung integriere, erinnert sich der Körper an das „Steinzeitprogramm“ und wirft das Selbstheilungssystem an.


Das erinnert mich an eine Aussage des österreichischen Naturforschers Viktor Schauberger, der bereits vor 100 Jahren vorausgesagt hat, daß die Ernährung durch unnatürliche, degenerierte Nahrungsmittel irgendwann zu einer degenerierten Menschheit führen wird. Nach dem Motto: Du bist, was du ißt.


Dr. Markus Strauß:
Genau so ist es. Man muß sich nur unsere heutige Gesellschaft betrachten. Jeder ist erschöpft, hat eine schlechte Verdauung oder andere Gesundheitsprobleme. Wenn man schrittweise beginnt, das Natürliche wieder in sein Leben zu integrieren, dann spürt man, wie es einem Tag für Tag besser geht. Und hier spielen die eßbaren Wildpflanzen eine fundamentale Rolle. Und wenn man dann noch zur Ruhe kommt, nicht jeden äußeren Hype mitmacht und sich wieder auf die natürliche Rhythmen einläßt, dann ist man auf dem richtigen Weg. 


Sie bilden ja nicht nur „Fachberater für Selbstversorgung mit eßbaren Wildpflanzen“ aus, sondern haben auch das gemeinnützige Projekt EWILPA ins Leben gerufen, also eine Stiftung, die sogenannte „Eßbare Wildpflanzenparks“ in ganz Deutschland etablieren möchte.

Dr. Markus Strauß:
So ist es. Im Juni wurde der erste Eßbare Wildpflanzenpark im bayrischen Kemnath-Waldeck eingeweiht, und weitere Projekte sind derzeit in der Entstehungsphase. Die Parks bestehen aus unterschiedlichen Teilbereichen wie Baumhainen, Hecken, Alleen, Beerengärten, Streuobstwiesen, Wildgemüse-Stauden, Ackerbrachen, einem Bereich für Küchen- und Heilkräuter und nach Möglichkeit auch einem See oder Feuchtgebiet. Überall wachsen gesunde Lebensmittel, und Sie können sich vorstellen, wie viele Vögel, Kleinsäuger und Bienen hier leben.

Idealerweise ist noch ein ökologisch gebautes Seminarhaus auf dem Parkgelände, in dem Kurse und Fortbildungen durchgeführt werden können – ein „Grünes Klassenzimmer“. So findet auch noch ein persönlicher Austausch statt. Diese Parks eignen sich zum Verweilen oder auch zum Picknicken - und sind gleichzeitig „eßbar“.
Im Moment häufen sich die Anfragen, und meine Vision ist, in etwa so viele Eßbare Wildpflanzenparks zu verwirklichen wie die Firma ALDI Filialen hat …


Wie bitte? Das sind über 4000 in Deutschland …


Dr. Markus Strauß:
(lacht) Ja, man muß sich Ziele setzen. Natürlich kann ich das nicht alleine verwirklichen, aber durch die Fachberater-Ausbildung kommen ständig neue, kompetente Mitstreiter hinzu. Derzeit bin ich dabei, Struktur aufzubauen, um die Anfragen bewältigen zu können. Und dann brauchen wir natürlich Unterstützung …


Wie könnte eine solche Unterstützung aussehen?

Dr. Markus Strauß:
Da gibt es vielfältige Möglichkeiten. Für unsere Stiftung benötigen wir zuerst einmal Stammkapital. Wer uns hier unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen. Bei der GLS-Bank gibt es ein Spendenkonto. Wer ein großes Grundstück besitzt, das sich für einen Eßbaren Wildpflanzenpark eignet – idealerweise in S-Bahn- oder Stadtnähe – kann sich ebenfalls melden. Die Mindestgröße ist ein Hektar, nach oben keine Grenzen. Derzeit bin ich in ganz Deutschland unterwegs, weil immer mehr Menschen begeistert sind von der Idee, einen Eßbaren Wildpflanzenpark in ihrer Region zu haben.


Das klingt nach viel Arbeit, aber auch nach einem erfüllten Leben! Ihre Vision, die eßbaren Wildpflanzen wieder in das Alltagsleben zu integrieren, nimmt also immer mehr Gestalt an. Und Sie inspirieren damit zahllose Menschen. Wer mehr über eßbare Wildpflanzen erfahren möchte, der kann mit Ihren Büchern beginnen ...


Dr. Markus Strauß:
Genau. Ich habe eine Reihe von Büchern über eßbare Wildpflanzen geschrieben. Das Buch ARTGERECHT fällt dabei etwas aus dem Rahmen und geht über das Pflanzenthema hinaus. Durch das Lesen der Bücher wird sicher in dem einen oder anderen die Liebe zu den Wildpflanzen erwachen. Alles Weitere geschieht dann wie von selbst. Aber eine Bitte hätte ich noch: Kaufen Sie die Bücher bei einem Buchhändler und nicht im Internet. Sie helfen dadurch, daß unsere Innenstädte nicht zu öden Wüsten werden …


Lieber Herr Dr. Strauß, ganz herzlichen Dank für Ihre „wilde“ Arbeit und für das inspirierende Gespräch.   


Das Interview führte
Michael Hoppe



Weitere Informationen:
www.dr-strauss.net
www.ewilpa.net


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MEIN AMERIKANISCHER KULTURSCHOCK - Interview mit dem Kulturanthropologen Dr. Wolf Dieter Storl

Wolf-Dieter Storl wurde 1942 in Sachsen geboren und wanderte 1954 mit seinen Eltern nach Amerika (Ohio) aus. Dort verbrachte er die meiste Zeit in der Waldwildnis. Er studierte Botanik und Völkerkunde und bereiste viele Länder, da ihn der Umgang der verschiedenen Kulturen mit der Natur interessierte. Von den Cheyenne und anderen traditionellen Völkern in Asien und Afrika, sowie von den Überlieferungen und Erzählungen europäischer Bauern und Kräuterkundigen erfuhr er viel über Schamanismus, das Wesen der Pflanzen und deren „spirituelle“ Dimensionen. Seit 1988 lebt Wolf-Dieter Storl mit seiner Familie im Allgäu und gilt als „Kultautor“ zum Thema Selbstversorgung.

 

Lieber Herr Dr. Storl, Amerika galt ja für viele Europäer lange als Wunschziel und als das Land mit den unbegrenzten Möglichkeiten. Sie haben 2017 ein neues Buch veröffentlich mit dem Titel: MEIN AMERIKANISCHER KULTURSCHOCK. Darin beschreiben Sie Ihre Erfahrungen, als Sie Mitte der 50er-Jahre aus dem Nachkriegsdeutschland in die USA auswanderten. Hat sich der Kulturschock inzwischen gelegt?

Dr. Wolf-Dieter Storl:
Nein, eigentlich nicht. Der „American Way of Life“ hat mich zwar wie ein Drache verschluckt, aber als unverdaulich wieder ausgespien. Und ich glaube, daß viele Europäer auch heute noch keine Ahnung haben, wie Amerika wirklich tickt. Als wir Mitte der 50er-Jahre nach Amerika ausgewandert sind, war das natürlich ein riesen Kontrast zu dem damaligen Nachkriegsdeutschland, wo ja großer Mangel herrschte.

Der Wohlstand in der Neuen Welt hingegen war immens. Da wurde am Abend all das Essen, das man nicht fertiggegessen hatte, in einer großen Öltonne hinter dem Haus verbrannt. Eine Müllabfuhr gab es ja nicht. Und da man große Mengen an Steaks und anderem Fleisch aß, roch der ganze Ort immer nach verbranntem Fleisch. Dazu die riesigen Kühlschränke – das war ein erster Kulturschock.

Konnten Sie sich schnell an diese neue Welt anpassen?

Dr. Wolf-Dieter Storl:
Für meine Eltern war es am Anfang schwierig, Arbeit zu finden etc. Aber ich wurde als Kind gleich eingesponnen in das Gemeinschaftsleben. Andere Kinder kamen und sagten: „Laß uns Cowboy und Indianer spielen!“ Oder: „Laß uns Krieg spielen!“ Das erste Wort, das ich lernte, war „pistol“, also Pistole. Da ich etwas längere Haare hatte, mußte ich dann immer den „kraut“ - wie man damals die Deutschen genannt hat - oder den Indianer spielen und mich totschießen lassen.

Das war mir aber vollkommen egal. Es hat gutgetan, aus der Enge der Stadt Oldenburg, in der wir vorher gelebt haben, herauszukommen und auch eine ganz neue Natur kennenzulernen. Für mich war das faszinierend. Für meine Eltern war es schwieriger. Schon alleine das Wetter: Im Sommer war es dort unglaublich heiß - da kommen die Winde aus dem Süden mit karibischer Luft. Und im Winter ist es umgekehrt - da kommen diese arktischen Winde aus dem Norden, und es ist richtig kalt.

Sie haben also auf dem Land gelebt. Heute haben wir in den USA ja eine große Kluft zwischen der Landbevölkerung, die eher konservativ ist und Donald Trump wählt, und der Stadtbevölkerung, die fortschrittlicher denkt …

Dr. Wolf-Dieter Storl:
Wir lebten anfangs in einem kleinen Ort auf dem Land, wo ich auch eingeschult wurde. Und das war das erste Jahr, in welchem Schwarze in dieselben Schulen gingen wie Weiße. Und ich als Deutscher – der Krieg war ja noch nicht lange vorbei - mußte hinten mit den Schwarzen sitzen. (lacht)

Ich kann mich noch gut an ein nettes schwarzes Mädchen erinnern, das mir immer Bonbons schenkte. Als dann die weißen Mitschüler kamen und sagten: „Hey, kraut, we gonna beat the hell out of you“, da kam ihr großer Bruder, der schon drei oder vier Mal sitzengeblieben und deshalb schon sehr groß war, und hat mich beschützt.

Er meinte dann zu mir: „Wolf, du mußt kämpfen lernen“ und hat mich in das Schwarzenghetto mitgenommen. Da habe ich richtig Sparring gelernt, im Ring mit Boxhandschuhen. Und das kam mir zugute, denn man mußte sich immer durchsetzen.  

Als die Lehrerin sah, daß ich viel mit den Schwarzen zusammen war, hat sie mich gewarnt, ich solle mich nicht allzuviel mit ihnen abgeben, denn die seien anders als wir. Das war – in Kurzform – meine Einführung in die amerikanische Gesellschaftsstruktur.
Es herrschte seinerzeit sehr viel Rassismus, und die dominierende Gesellschaftsgruppe waren die WASP (White Anglo-Saxon Protestant).

Auch bei uns in Deutschland wird ja heute viel über Migration und Integration gesprochen. Dabei funktionierte bis zu der Massenmigrationswelle Ende 2015 das interkulturelle Zusammenleben doch recht gut. Inzwischen fühlt man sich jedoch bedroht. Sie haben ja auch Migrationserfahrung, wie sehen Sie die aktuelle Lage?

Dr. Wolf-Dieter Storl:
Das Wort „Massenmigration“ ist sehr treffend. Für mich handelt es sich derzeit nicht um eine Flüchtlingswelle. Auch die Verwendung des Wortes „Flüchtling“ ist für mich ein Mißbrauch der Sprache. Ich kann mich noch an die Nachkriegszeit erinnern, und sehe noch die ausgemergelten Flüchtlinge vor mir, halbverhungerte Frauen mit ihren Kindern, oder Opas und Omas. Es waren überhaupt keinen jungen Männer da – die waren entweder gefallen oder in Gefangenenlagern. Diese Flüchtlinge waren in echter Not.

Wenn ich die heutige Situation sehe, das sind größtenteils keine Flüchtlinge - denn Flüchtlinge gehen in der Regel in ein Nachbarland und warten, bis die Kriegshandlungen vorbei sind. Dann gehen sie zurück und bauen wieder auf. Aber sie gehen nicht über viele Grenzen und suchen sich das Land aus, wo ihnen dann alles geboten wird. Das sind Migranten. Das sind junge kräftige Männer – und wenn ich ein Afrikaner wäre, würde ich wahrscheinlich dasselbe tun.

Die USA werden uns ja oft als Vorbild für funktionierende Integration und Multikulti präsentiert. Und selbst die EU stößt in dasselbe Horn, hätte gerne die Vereinigte Staaten von Europa, in denen sich die Nationalstaaten auflösen und die Völker miteinander vermischen. In Deutschland lehnt man diese Vorstellung noch ab. Aber kann man die deutsche Situation überhaupt mit den USA vergleichen?

Dr. Wolf-Dieter Storl:
Nein, das kann man nicht vergleichen. Die Bundesrepublik Deutschland ist in etwa so groß wie ein einzelner amerikanischer Bundesstaat, wie etwa Montana oder Wyoming. Und in Wyoming lebt eine halbe Million Menschen. In Deutschland leben 80 Millionen.

Zudem hat man in Europa gewachsene Strukturen. Ich habe ja auch als Archäologe gearbeitet. Was findet man, wenn man in Amerika gräbt? Man findet Indianer! Was findet man hier? Kelten, Germanen, Slawen und dergleichen. Man findet eine kulturelle Kontinuität.
In den USA hat man eine zusammengewürfelte Bevölkerung, und das paßt auch zum Wirtschaftssystem. Man ist nicht wirklich seßhaft. Wenn irgendwo ein paar tausend Meilen entfernt eine neue Fabrik öffnet, dann zieht man eben um. So sind auch die Häuser – die sind nur für eine Generation gebaut.

Und eine moderne Wirtschaft braucht eine mobile Bevölkerung. Daher hat man es auch ständig mit „Fremden“ zu tun. Das ist auch der Grund, warum die Amerikaner immer lächeln. So vermittelt man den anderen: „Mit mir ist alles gut, es droht keine Gefahr!“ Da fast alle Waffen tragen, ist dieses Begrüßungsritual überlebenswichtig.  
Beziehungen sind dann aber meist sehr oberflächlich, und wenn man sich eine Zeitlang aus den Augen verliert, vergißt man einander wieder.

Sie haben sich ja viel mit den eigentlichen Ureinwohnern Amerikas befaßt, den Indianern. Glauben Sie, daß die Bedenken berechtigt sind und es den „Ureinwohnern“ hierzulande so ergehen könnte wie einst den Indianern in Amerika?


Dr. Wolf-Dieter Storl:
Ich habe in den USA ja auch Soziologie unterrichtet. Da haben wir solche Szenarien durchgespielt. Als die ersten Bootsflüchtlinge in Amerika ankamen, da hätten die Indianer natürlich nie damit gerechnet, daß ihnen von diesen Gefahr droht.

Das waren Calvinisten, die die Welt in Gut und Böse, Gott und Satan und so weiter einteilten und die aufgrund ihres rigiden Glaubens aus Europa vertrieben wurden. Die kamen an, und die Indianer sahen, wie sie hungerten, froren und haben ihnen Mais und Truthähne und gut zu essen gegeben. Sie haben ihnen auch beigebracht, wie man richtig Getreide anbaut. Und die „Migranten“ haben dank der Menschlichkeit der Indianer überleben können.

Und dann kamen immer weitere Schiffe, und als man schließlich eine gewisse Zuwandererzahl erreicht hatte, da fragte man plötzlich: Wer sind eigentlich diese Wilden? Über die steht ja nichts in der Bibel. Da steht nur etwas von den Söhnen Noahs: den dunkleren Stämmen, die eher zum Dienen da sind, den asiatischen Menschen und den Europäern. Wer aber sind die Indianer? Also fragte man die Indianer: Kennt ihr Jesus Christus? Und das Wort Gottes? Was die Indianer natürlich nur verneinen konnten.

Und dann war klar, daß die Indianer in einer Welt, die nur zwischen Gut und Böse unterscheidet, zwischen Satan und Gott, auf der „Satanseite“ sein mußten. So hat man die Indianer eben mit Bluthunden gejagt und schrittweise vertrieben und fast ausgerottet.

Übertragen auf die heutige Situation in Europa sind die Sorgen also nicht ganz unbegründet. Gerade bei den fundamentalistischen Muslimen gilt ja die Regel: Man hat den einzigen wahren Gott, alle Nichtmuslime sind Ungläubige, die europäischen Frauen laufen herum wie Huren etc. Wer glaubt, die einzige mögliche Wahrheit schon zu besitzen, der ist selten offen für einen menschlichen Dialog. Zudem war Mohammed kein Friedensstifter, sondern ein Kriegsherr. Und die Islamisierung findet ja in vielen anderen Ländern bereits seit Jahren statt.

Nicht nur Religionen breiten sich gerne global aus. Wir erleben ja auch seit Jahrzehnten eine Amerikanisierung der westlichen Welt. Global agierende US-Unternehmen setzen die Trends, und auch politisch und militärisch mischt man überall mit. Wenn Sie die heutige USA betrachten, wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Supermacht?

Dr. Wolf-Dieter Storl:
Wenn ich zurückblicke in die Nachkriegszeit, als ich in die USA eingewandert bin, da herrschte noch grenzenloser Optimismus: „Wir sind die Größten und die Besten, und wir sind geistig und moralisch allen anderen überlegen“ – und das hat man auch geglaubt. Dieser Optimismus ist inzwischen verfallen.

Seit 20 Jahren sind die Löhne nicht gestiegen, aber die Preise. Man braucht mindestens zwei Einkommen in der Familie, um über die Runden zu kommen. In den 60er-Jahren konnte sich noch jeder ein eigenes Häuschen leisten, heute leben unzählige Menschen auf der Straße. Die Kinder verwahrlosen. Überall sieht man Armut, verfallene Städte, die Menschen wirken hoffnungslos.

Während in Kalifornien und an der Ostküste die Wirtschaft noch boomt, sind die sogenannten „fly-over-states“ im Landesinneren weit im Hintertreffen. Wo es früher einmal sieben Millionen Familienfarmen gab mit Hühnern, Schweinen, Truthähnen, Gemüsegärten usw., findet man heute nur noch große Agrarkonzerne, die in riesigen Monokulturen Gen-Mais und Gen-Soja anbauen.

Die kleinen Ortschaften funktionieren nicht mehr. Wo früher Läden, Friseure, Schuhmacher, Reparaturwerkstatten usw. das Ortsbild prägten, finden wir heute Geisterstädte. Diese bestehen aus großen Tankstellen und einigen Fastfood-Läden, in denen die Einheimischen für kleines Geld arbeiten. Dort wählt man dann Donald Trump, der verspricht, „America great again“ zu machen, also die Zeit zurückzudrehen, was allerdings nicht möglich ist …

Donald Trump ist ja selbst ein reicher Mann, und der Kampf Arm gegen Reich ist das Thema der Gegenwart. Sollte der weniger privilegierte Teil der Menschheit nicht endlich aufstehen, sich das Verlorene zurückholen und wieder für mehr Gerechtigkeit kämpfen?

Dr. Wolf-Dieter Storl:
Man muß mit dieser Aussage etwas vorsichtig sein. Da gibt es sicher Menschen, die mehr Geld haben und vielleicht ein größeres Auto fahren, aber die schaffen auch Arbeitsplätze. Diese Mittelschicht ist ein wichtiger Faktor. Aber die scheint ja im Moment massiv bedroht zu sein. Dann gibt es angeblich noch ca. 60 Familien, die die Hälfte des Planeten besitzen.

Ich denke bei diesen Menschen oft, daß sie sehr unsicher sind, weil sie das Göttliche in ihrer eigenen Seele verloren haben und deshalb raffen müssen. Ein Verwandter, der Investitionsberater für Superreiche ist, hat mich einmal mitgenommen in seinen Countryclub. Da saßen Millionäre und sogar Milliardäre, und die waren wie erloschene Seelen. Äußerlich war zwar alles vom Feinsten, aber das war auch schon alles. Und der Tipp, den man mir dort gab, war: wenn du dein Geld vermehren möchtest, dann investiere in die Rüstung … Für mich sind das seelisch arme, ganz, ganz arme, bemitleidenswerte Menschen.

Dennoch sind diese „bemitleidenswerten“ Superreichen nun Nutznießer einer Dynamik, die durch unser aktuelles Geldsystem die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher macht. Womit wir bei Ihrem eigentlichen Hauptthema wären – der Selbstversorgung. Selbst im wohlhabenden Deutschland leben derzeit 15 Millionen Menschen in Armut oder sind von Armut bedroht. Viele Menschen haben verlernt, sich selbst zu versorgen …


Dr. Wolf-Dieter Storl:
Für mich ist die Lösung für alles, zu den Wurzeln zurückzukehren und sich wieder mit der Erde zu verbinden. Das beginnt im ganz Kleinen. Wer sich um seinen Garten kümmert, der erlebt, daß jede Pflanze eine eigene Intelligenz besitzt. Neben unserer physisch analysierbaren Welt gibt es auch eine energetische Dimension. Und es gibt auch eine seelische und eine geistige Dimension. Und in allen alten Völkern gab es Experten, die mit diesen Dimensionen in Kontakt kamen.

Und wir sollten unser Leben auch nicht in die kurze Zeit zwischen Geburt und Tod einzwängen, als wäre die jetzige Inkarnation die einzige. Schon die alten Germanen waren überzeugt, daß sie ihr aktuelles Schicksal aus früheren Leben mitbringen. Es kann ja sein, daß es so etwas wie ein Gesetz des Karmas gibt. Bei uns gibt es das ja (offiziell) nicht, doch in Indien bei den Buddhisten oder bei unseren Vorfahren gab es das.

Im Indischen nannte man das den göttlichen Geist. Auch im Mittelalter kannte man noch das „Aventure“, also das Wissen, daß unser geistiger Kern aus höheren Regionen kommt und in die Gestalt geht, in der wir uns im Moment befinden. Ich bin nicht jemand, der jammert und die Welt, so wie sie ist, schrecklich findet. Ich sehe das Leben eher als ein Abenteuer. Ich bejahe auch den Schmerz, ich bejahe auch die Krankheiten, da sie uns immer etwas zu sagen haben und wir immer etwas dabei lernen. Jede Krankheit ist wie ein unerbittlicher Meister, wie ein Zenmeister.

Das könnte man direkt auf unsere heutige Zeit übertragen: Unser System ist so krank, daß wir endlich erkennen müssen, daß das Goldene Kalb als Gott nicht taugt. Erkenntnis ist der erste Weg zur Gesundung …

Dr. Wolf-Dieter Storl:
Genau. Und was den Glauben angeht: Der Mensch lebt seit ca. drei Millionen Jahren auf diesem Planeten, und die sogenannten Stifterreligionen gibt es erst seit vielleicht fünftausend Jahren. Und bei diesen ist „Glauben“ gefragt – nach dem Motto: Man weiß es nicht, aber man glaubt es.
Bei den Naturvölkern gibt es Glauben nicht. Wenn die von Naturgeistern reden oder von Göttern, dann ist das Erlebnis. Auch das Schamanische, es ist Erlebnis. Unsere Psychologen würden das vielleicht für Halluzinationen halten.

Um den Kreis zu schließen zu ihrem Buch MEIN AMERIKANISCHER KULTURSCHOCK. Früher glaubte man an das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, man war überzeugt, alles wird gut, aber heute hat sich vieles verändert. Aber der Einfluß Amerikas ist groß. Was in den USA geschieht, kommt ja bei uns meist 10-20 Jahre zeitversetzt ähnlich. Werden wir auch hierzulande amerikanische Verhältnisse erleben?

Dr. Wolf-Dieter Storl:
Der amerikanische Einfluß ist äußerst stark. Was singt der Till Lindemann von Rammstein: „We' re all living in America - America is wunderbar - Musik kommt aus dem Weißen Haus - Und vor Paris steht Mickey Maus … “ Er hat recht. Ich war vor drei Jahren in China: Überall „Kentucky Fried Chicken“ und Fastfood. Und die Chinesen mögen das.

Wie es weitergeht, ist schwer zu sagen. Der „American Way of Life“ ist ja auch ein enormer Verschleiß von Ressourcen. Man hat nur 5 % der Weltbevölkerung, verbraucht aber um die 50 % der weltweiten Ressourcen. Dazu bräuchte man, wie Mahatma Gandhi sagte, mehrere Erden.

Für mich findet die Lösung immer auf einer ganz persönlichen Ebene statt. Ich lebe in Harmonie mit der Natur, ich gärtnere – und da ist man dann verbunden. Anstatt in diese Fantasiewelten abzudriften wie viele Intellektuelle, die nur im Kopf leben. Man verliert dabei leicht die Erdhaftung. Deshalb würde ich jedem Menschen raten, wieder in Kontakt zu treten mit der natürlichen Welt, die ihn umgibt. Das ist das wahre Leben.


Lieber Herr Dr. Storl, ganz herzlichen Dank für das inspirierende Gespräch.


Das Interview führte: Michael Hoppe


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Mein amerikanischer Kulturschock
Kailash Verlag, München
ISBN: 978-3-424-63154-8

Der Selbstversorger
Verlag Gräfe & Unzer
ISBN: 978-3-8338-2657-3

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AT Verlag
ISBN: 978-3-0380-0872-9

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